Sonja Stockhausen, GEWI GmbH & Co. KG, Leiterin des Kompetenzforums Fördermittel

Sonja Stockhausen

Sonja Stockhausen

Die Leiterin des Kompetenzforums Fördermittel des BVMW-Beratungsnetzwerkes im Interview

Wer inspiriert Sie in Ihrer Arbeit? 

Ganz klar: unsere Kunden. Mit ihren Ideen, Nachfragen und auch kritischem Feedback geben sie uns wertvolle Impulse, um GEWI kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sehen wir jeden Tag, wie unsere Arbeit Unternehmen voranbringt und Projekte ermöglicht – diese sichtbaren Erfolge sind unsere größte Motivation.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit der Digitalisierung von Fördermittelprozessen. Der politische Wille ist da – das begrüßen wir ausdrücklich. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die digitalen Antragsverfahren noch nicht durchgängig effizient sind. Genau hier bringen wir unsere langjährige Erfahrung ein und suchen aktiv den Dialog mit der Politik, um die Fördermittelbeantragung einfacher, transparenter und praxistauglicher zu machen.

Was hat Sie motiviert, im Beratungsnetzwerk und insbesondere in einem Kompetenzforum des Beratungsnetzwerks mitzuwirken/sich zu engagieren?

Meine größte Motivation ist der offene Austausch auf Augenhöhe – das Beratungsnetzwerk bietet hier eine bundesweit einzigartige Community. Im Kompetenzforum arbeiten wir gemeinsam daran, die Qualität der Fördermittelberatung sichtbar zu machen und uns partnerschaftlich weiterzuentwickeln. Wer sich einbringt, profitiert – fachlich, menschlich und wirtschaftlich.

Was war die Beratung, die Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben ist und warum?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein EU-Projekt in Bhutan, das viele Jahre zurückliegt. Ziel war es, neue Erwerbsmöglichkeiten für Frauen zu schaffen. Durch die Beratung habe ich mich intensiv mit diesem faszinierenden Land beschäftigt – und konnte schließlich sogar die Königinmutter von Bhutan bei ihrer ersten Europareise persönlich treffen. Dieses Projekt hat mir eindrücklich gezeigt, welche Wirkung gute Beratung entfalten kann. Die Begegnung mit dieser außergewöhnlichen Frau inspiriert mich bis heute.

Was wäre der aus Ihrer Sicht wertvollste Tipp, den Sie Ihren Kundinnen und Kunden geben würden?

Mein wichtigster Tipp: Nicht vorschnell das erstbeste Förderprogramm wählen. Entscheidend ist, Kosten und Nutzen realistisch abzuwägen, die Erfolgsaussichten zu bewerten und Rahmenbedingungen, Anforderungen sowie den gesamten Prozess zu verstehen. Eine hohe Förderquote klingt attraktiv – sagt aber wenig aus, wenn nicht klar ist, auf welche Kosten sie sich bezieht. Gute Vorbereitung macht mindestens 50 % des Erfolgs aus.

Wie sieht aus Ihrer Sicht eine Beratung von morgen aus?

Beratung von morgen wird deutlich stärker von KI unterstützt. KI hilft bereits heute dabei, passende Förderprogramme zu identifizieren, Richtlinien zu analysieren und Texte vorzubereiten – auch wir treiben diese Entwicklung mit eigenen Tools gezielt voran.

Gleichzeitig ist mir eines besonders wichtig: Gute Beratung lebt vom persönlichen Austausch. Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Menschen weniger miteinander sprechen oder sich entfremden. Fördermittelberatung bleibt hochgradig individuell – jedes Unternehmen, jedes Projekt und jedes Verfahren ist anders. Gerade bei komplexen und anspruchsvollen Vorhaben stößt KI an Grenzen. Deshalb setzen wir bei GEWI bewusst auf die Verbindung aus technologischer Effizienz und echter, partnerschaftlicher Beratung mit Know-how. Nicht Algorithmen entscheiden über gute Beratung, sondern Menschen im Dialog.

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This or That?

Im Rahmen unseres „This-or-That“-Formats haben wir Sonja Stockhausen gebeten, bei drei strategisch relevanten Themen eine klare Position zu beziehen. Ihre Antworten bieten einen kompakten Einblick in zentrale Fragestellungen zum Thema Fördermittel und zeigen, welche Schwerpunkte und Prioritäten die Arbeit ihres Kompetenzforums und damit die strategische Ausrichtung maßgeblich prägen.

Quick-Win oder Förder-Roadmap?

Schnelle, kurzfristige Fördererfolge oder eine langfristige Förderstrategie mit Roadmap – was bringt Ihrer Meinung nach Unternehmen den größeren Nutzen?

80 % Förder-Roadmap / 20 % Quick Win

Fördermittel entfalten ihre größte Wirkung, wenn Projekte frühzeitig geplant werden und im Unternehmen eine klare Förderstrategie mit sauberen Prozessen etabliert wird. Das erhöht die Passgenauigkeit, schafft Sicherheit für Mitarbeitende und macht Förderung planbar und verlässlicher. Insbesondere Förderneulingen empfehle ich zunächst aber häufig, erst mit ausgewählten „low hangig fruits“ zu starten, um schnelle erste Erfolge sichtbar zu machen und Vertrauen in den Prozess aufzubauen.

Antrag selber stellen oder mit einem Berater?

Können Unternehmen die Förderanträge auch ohne professionelle Unterstützung selber stellen oder empfehlen Sie – im Hinblick auf erhöhte Erfolgschancen – die Anträge mit einem Berater durchzuführen?

50 % Berater / 50 % selber stellen

Dies hängt vom Einzelfall ab. Es gibt zahlreiche Anträge, die wenig bürokratisch sind und die ein Unternehmen alleine bewältigen kann – sofern personelle Ressourcen vorhanden sind. Beispiele dafür sind E-Ladesäulen, Weiterbildung oder Förderprogramme für Unternehmensberatungen. Bei größeren Projekten mit strategischer Bedeutung und bei komplexen Förderrichtlinien und -verfahren ist die Einbindung eines externen Spezialisten sehr empfehlenswert. Häufig gibt es viele versteckte Risiken, die Prozesse sind teilweise sehr aufwendig und die Erfolgschancen sind mit einem Experten deutlich höher.

Kosten großzügig oder konservativ schätzen? 

Sollten die förderfähigen Kosten eher großzügig kalkuliert werden, um alle potenziell relevanten Ausgaben abzudecken? Oder ist es sinnvoller, konservativ zu schätzen, um eine realistische und gut nachvollziehbare Kostenstruktur vorzulegen?

70 % konservativ / 30 % großzügig schätzen

Gutachter für Förderprogramme haben einen erfahrenen Blick für realistische Kostenansätze und bewerten auch, wie „attraktiv“ das Projekt im Verhältnis zu anderen Anträgen ist. Zu hoch angesetzte Kosten tangieren daher die Erfolgsaussichten, zumal auch der nicht geförderte Eigenanteil finanzierbar sein muss. Allerdings ist ein späteres Anpassen nach oben meist nicht möglich, insofern fixiert man mit den Projektkosten auch die Maximalförderung. Insgesamt empfehle ich eine realistische Bewertung mit etwas Puffer. Dies gilt vor allem für innovative Projekte, da hier oft die ein oder andere Iterationsschleife mehr anfällt. Es kommt auf einen guten Mittelweg an.

Infos zur Person

Sonja Stockhausen         

Infos zum Unternehmen

GEWI GmbH & Co. KG
https://www.gewi.de

  • Gründungsjahr: 1984
  • Branche: Fördermittelberatung 
  • Firmensitz: Hilden bei Düsseldorf, NRW 
  • Mitarbeitende: 10
  • Kompetenzforum des BVMW-Beratungsnetzwerks: Leitung des Kompetenzforums Fördermittel, Leitung der Kommission Förderprogramme und Innovation, stellvertretende Leiterin des Beratungsnetzwerks