Exklusive Tafelrunde des BVMW in Augsburg im Ofenhaus
Alle Referenten bekräftigten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zweierlei: Nachhaltigkeit ist mehr als oft diskutiert und die Basis für ein gutes Zusammenleben in der Region!
Das Gemeinwohl – also ein gutes Leben für alle in der Region - geht uns alle an. Wirtschaftliche Resilienz schafft Zukunftsfähigkeit für das Unternehmen und Sicherheit für seine Belegschaft. Maßnahmen zum Umweltschutz und zur Anpassung an Klimafolgen mindern wirtschaftliche Risiken und eröffnen Chancen. Unternehmen aus dem Mittelstand, die dies beherzigen stärken das Gemeinwohl in ihrer Umgebung.
Für Carsten Eiber, Bereichsleiter des Firmenkunden Center der Sparkasse Hellweg-Lippe, sind die Prinzipien des nachhaltigen, am Gemeinwohl orientierten Wirtschaftens fester Bestandteil im Tagesgeschäft seines Unternehmens. „Nachhaltigkeit ist gekommen, um zu bleiben“ waren seine Worte. Er sieht die nachhaltige Transformation des deutschen Mittelstands als DIE Herausforderung dieser Dekade. Finanzinstitute sind aufgefordert bei der Kreditvergabe Nachhaltigkeitsrisiken von Branchen zu bewerten. Dabei sind die Umweltthemen aus dem ESG-Dreiklang (Environment Social Governance) mit 60% am stärksten gewichtet. Wenn Sie zeigen können, dass Sie sich vom Branchendurschnitt absetzten, wirkt sich dies günstig auf Ihre Finanzierungskonditionen aus.
Ohne Fachkräfte keine ökonomische Resilienz. Unser Gastgeber Christof Marquet, Leiter des LWL-Berufsbildungswerks Soest lenkte eindrucksvoll den Blick auf die besonderen Begabungen und Kompetenzen von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und Autisten. Die besonderen Fähigkeiten von autistischen Menschen weckten großes Interesse bei den Teilnehmenden und erste Beratungen zum „Wie kann die Integration gelingen“ wurden noch am Abend geknüpft.
Ansgar Schonlau, Geschäftsführender Gesellschafter der Maag GmbH (Ense), zeigte den Gästen anhand von KPIs, wie sich die konsequente Verankerung der Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie nicht nur monetär gerechnet, sondern faktisch den Fortbestand seines Unternehmens gesichert hat. Durch systematisches Handeln nach dem Prinzip des Lean Manufacturing hat der Verpackungshersteller Effizienz in seine Prozesse gebracht, Ressourcenverschwendung enorm reduziert. Das „rechnete“ sich für Umwelt, Belegschaft und Bilanzen gleichermaßen positiv.
Jutta Moschner, Beraterin für nachhaltige Unternehmensentwicklung und Umweltmanagementsysteme (ISO 14001 und EMAS), machte deutlich, das Nachhaltigkeit kein Modethema ist, sondern konsequentes, unternehmerisches Handeln erfordert. So sieht es auch die aktuelle NIKE-Studie, erstellt von einem Konsortium aus Bundesnachrichtendienst, Bundeswehr und Klimaforschern aus Potsdam. In der Studie geht es nur um regionale und globale Klimawandelbedingte Schadensrisiken und Klimaresilienz-Strategien. China ist besonders betroffen. Daher überrascht es nicht, dass dort 2024 eine verbindliche Nachhaltigkeitsberichterstattung bis 2030 eingeführt wurde, eine CSRD light, und China Umweltgesetzgebungen inkl. Sanktionen zunehmend verschärft.
In der anschließenden regen Diskussion wurde wertvolles Praxiswissen ausgetauscht und erste weiterführende Termine verabredet.
Andreas Kerschl
Repräsentant ‒ Landkreis Soest