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02.02.2026

Auftraggeber Bundeswehr: Chancen für KMU

In Deutschland stehen bei der Verteidigungspolitik oft Großprojekte wie der Eurofighter, der Schützenpanzer Puma oder die Fregatte 126 im Rampenlicht.

Doch hinter den Schlagzeilen verbirgt sich ein komplexes System zur Ausstattung der Bundeswehr. Um dieses System zu verstehen, ist ein Blick in die Strukturen der Beschaffungsorganisation notwendig, die Unternehmen den Zugang zu einem Milliardenmarkt ermöglicht.

Verfassungsrechtlich ist die Bundeswehrverwaltung für den gesamten Sachbedarf der Streitkräfte zuständig. Artikel 87b des Grundgesetzes regelt klar, dass Personal- und Materialbedarf nicht von der Truppe selbst, sondern von einer zivilen Verwaltung gedeckt werden. Diese Trennung ist historisch gewachsen: einerseits militärische Führung und operative Einsatzbereitschaft, andererseits eine zivile Organisation, die Beschaffung, Infrastruktur und Dienstleistungen steuert.

Herzstück dieser Verwaltung ist das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz, verantwortlich für die Entwicklung, Beschaffung und das Management – von Waffensystemen bis hin zur Ausrüstung der Soldaten. Sechs wehrtechnische Dienststellen, zwei wehrwissenschaftliche Einrichtungen, das Marinearsenal sowie eine Verbindungsstelle in den USA arbeiten dem BAAINBw zu. Es ist ein organisatorisches Geflecht, das sowohl Hightech als auch Detailtreue im Blick behalten muss.

Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen

Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (BAIUDBw) in Bonn befasst sich mit der alltäglichen Funktionsfähigkeit der Streitkräfte, einschließlich Neubau und Instandhaltung von Liegenschaften sowie Verpflegung und Dienstreisen. Die 42 Bundeswehr-Dienstleistungszentren arbeiten dabei mit regionalen Unternehmen zusammen. Viele Aufträge gehen an Bauunternehmen, Handwerksbetriebe oder Catering-Dienstleister – also an mittelständische Firmen, die ihre Kompetenz und Nähe zu den Standorten einbringen.

Zentrale und dezentrale Beschaffung

Das Beschaffungssystem der Bundeswehr verläuft zentral und dezentral. Die zentrale Beschaffung koordiniert Großprojekte, während regionale Stellen wie die Bundeswehr-Dienstleistungszentren den direkten Bedarf decken. Dies ermöglicht Flexibilität, birgt jedoch auch die Gefahr von Reibungsverlusten zwischen zentraler Steuerung und lokaler Eigenständigkeit. Gerade für den Mittelstand ist die dezentrale Beschaffung oft der Einstieg in die Zusammenarbeit als Lieferant der Bundeswehr. Zugang für Unternehmen Die Bundeswehr stellt einen attraktiven Auftraggeber dar. Ausschreibungen werden auf Plattformen wie TED, service.bund.de und der Plattform eVergabe-online veröffentlicht. Hier finden mittelständische Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, an Aufträgen zu partizipieren – vom mehrjährigen Großprojekt bis zur Lieferung von Verbrauchsmaterial. Gerade mittelständische Unternehmen finden hier eine Vielzahl von Liefermöglichkeiten. Ob Spezialtextilien, Fahrzeugteile, IT- Dienstleistungen oder Bauaufträge – viele Segmente sind so zugeschnitten, dass KMU konkurrenzfähig mitbieten können. Die Nutzung des Gemeinsamen Vokabulars für öffentliche Aufträge (CPV-Code) hilft, passende Ausschreibungen zu identifizieren.

Rechtliche Grundlagen

Wie jede öffentliche Stelle unterliegt auch die Bundeswehr den Vorschriften des Vergaberechts. Es existieren allerdings Sonderregelungen. Kleinere Aufträge bis 15.000 Euro netto können direkt vergeben werden, was kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommt. Damit die Chancen fair verteilt werden, greift hier das Rotationsprinzip, also der regelmäßige Wechsel zwischen Auftragnehmern.

Das Bundeskabinett hat im vergangenen Jahr Vorschriften beschlossen, die bis 2035 gelten. Sie sollen die Vergabe von Liefer-, Dienstleistungs- und Bauaufträgen erleichtern und Verfahren beschleunigen.

Normen – Qualität – Geheimschutz

Für die Bundeswehr sind VG-Normen und Technische Lieferbedingungen (TL) entscheidend. Diese Standards sichern Interoperabilität und Qualität. Mittelständische Zulieferer müssen diese Normen erfüllen, um sich als verlässliche Partner zu etablieren. Hinzu kommt das strenge Qualitätsmanagement, das sich an NATO-Standards orientiert. Vor Ort überwachen Prüfer der amtlichen Qualitätssicherung die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Standards. Unternehmen, die mit kurzen Entscheidungswegen und hoher Spezialisierung punkten, können ihre Stärken ausspielen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Geheimschutz. Viele Vergaben sind als Verschlusssachen eingestuft. Unternehmen, die solche Aufträge annehmen wollen, müssen besondere Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen. Dies ist zunächst eine Investition, doch diese Zulassungen ermöglichen den Anbietern den Eintritt in einen weniger wettbewerbsintensiven Markt. 

Kleine Aufträge, große Wirkung

Neben Großprojekten benötigt die Bundeswehr auch alltägliche Güter wie Lebensmittel, Kleidung und Ersatzteile. Hier bieten kleinere, regional verwurzelte Unternehmen oft schnellere und flexiblere Lösungen. Gerade in Zeiten mit anfälligen Lieferketten sind es häufig kleinere Anbieter, die die Bundeswehr zuverlässig versorgen und einen wesentlichen Beitrag zur Resilienz leisten.

Ein System zwischen Effizienz und Chancen für KMU

Das Beschaffungssystem der Bundeswehr ist komplex und geprägt von legalen Formalitäten, gleichzeitig aber auch offen für Innovationen und Kooperationen mit der Wirtschaft. Der Markt reicht von kurzfristigen Lieferungen bis zu langfristigen Projekten. Insbesondere mittelständische Betriebe können profitieren, wenn sie Vergabeverfahren nicht scheuen und die Normen einhalten. Für die Truppe wiederum ist eine funktionierende Beschaffung entscheidend für ihre Einsatzbereitschaft, besonders in Zeiten geopolitischer Spannungen. Letztlich hängt die Fähigkeit, militärische Aufgaben zu erfüllen, nicht nur von der Strategie der Militärs ab, sondern auch von den Unternehmen, die Lieferverträge einhalten, Materialien liefern und dafür sorgen, dass Soldatinnen und Soldaten bestmöglich ausgestattet sind.

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Hans Jürgen Völz, Bundesgeschäftsleiter Volkswirtschaft

Dr. Hans-Jürgen Völz

Bundesgeschäftsleiter Volkswirtschaft

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