Das BVMW-Netzwerk für weibliches Unternehmertum
Dr. Sabrina Zolg
Die CEO der PULSAR Medical AG im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?
Es war kein geplanter Weg – vielmehr etwas, das sich organisch entwickelt hat. Gelegenheiten haben sich ergeben, Türen haben sich geöffnet, und ich hatte den Mut hindurchzugehen. Rückblickend war es ein Zusammenspiel aus Neugier, Engagement und dem Wunsch, selbstbestimmt zu arbeiten und etwas zu gestalten.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?
Grundsätzlich: Ja, auf jeden Fall! Ich bin sehr dankbar für das Leben, das ich heute führen darf. Natürlich gibt es einzelne Situationen, in denen ich im Nachhinein anders agiert hätte – mehr aus dem Bauch heraus, mit weniger Selbstzweifeln. Aber das große Ganze fühlt sich richtig an. Ich habe gelernt, dass auch Umwege wertvoll sein können.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Die wohl prägendste Erfahrung war meine Schulzeit – oder besser gesagt: das Überwinden dieser Phase. Schule bedeutete für mich Fremdbestimmung in jeder Hinsicht – vom Stundenplan bis zu den Sitznachbarn. Die Vorstellung, dass das ganze Leben so aussehen könnte, war für mich beängstigend. Umso befreiender war es, im Studium endlich selbstbestimmt lernen, gestalten und entscheiden zu können. Diese Erfahrung begleitet mich bis heute: Wenn etwas sich wie ein Kampf anfühlt, erinnere ich mich daran, dass danach etwas Gutes kommt. Immer.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
Tatsächlich: siehe oben. Der Weg durch ein System, das mir so sehr widerstrebte, war eine große persönliche Herausforderung. Aber gerade dadurch habe ich meine Widerstandskraft und meinen Freiheitsdrang kennengelernt – und auch zu nutzen gelernt.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Im Moment beschäftige ich mich besonders intensiv mit LIVA – unserer Plattform zur Förderung von Gesundheitskompetenz. Das Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen, weil ich fest daran glaube, dass Wissen über die eigene Gesundheit der Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität ist.
Mit LIVA möchten wir Menschen befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen – sei es in Bezug auf mentale Stärke, Ernährung, Bewegung oder den Umgang mit Stress im Arbeitsalltag. Besonders wichtig ist mir dabei: Es geht nicht um Perfektion, sondern um machbare, alltagsnahe Impulse. Die Arbeit daran erfüllt mich, weil ich spüre, wie viel Potenzial in diesem Thema steckt – für Einzelne genauso wie für Unternehmen.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Wertschätzung spüre ich durch die Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden – und vor allem auch durch mein Team. Es ist sehr erfüllend, wenn Wegbegleiter sagen: „Dank dir habe ich mich getraut“ oder „Das hat wirklich etwas verändert“. Solche Momente geben Kraft und Motivation.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?
Du schaffst mehr, als du glaubst! Und: Feier nicht nur die großen Erfolge – feier jeden Schritt, jeden Versuch, jede Erkenntnis. Gerade die kleinen Dinge verdienen Beachtung. Sie sind es, die dich wachsen lassen, die dich tragen – auch dann, wenn es mal schwierig wird. Wer lernt, bewusst innezuhalten, findet immer wieder neue Kraft.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?
Ich versuche, unser Unternehmen lebensphasenorientiert zu führen – also mit Blick darauf, wo die Kolleginnen gerade stehen: ob Berufseinstieg, Familienphase oder Neuorientierung. Das bedeutet flexible Arbeitsmodelle, viel Kommunikation und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten – mit klarem Fokus auf Sichtbarkeit.
Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen ...
... mehr Mut zu echten strukturellen Veränderungen – etwa bei der Förderung von familienfreundlicher Unternehmenskultur, beim Abbau bürokratischer Hürden für Gründerinnen und bei der gezielten Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder in Wirtschaft und Gesellschaft.
Welches Buch empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen/Führungskräften?
Zwei Bücher, die mich besonders geprägt haben, sind „Deep Work“ von Cal Newport – es zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft im fokussierten Arbeiten liegt – und die Bücher von Brené Brown. Ihre kluge und zugleich sehr menschliche Art über Mut, Verletzlichkeit und Führung zu sprechen, ist für mich eine enorme Bereicherung.
Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?
Literatur. Jeden Tag mindestens eine Stunde lesen. Lesen hilft mir, Abstand zu gewinnen, neue Perspektiven zu entdecken – und schlicht zur Ruhe zu kommen. Es ist mein persönlicher Rückzugsort, aus dem ich mit frischem Kopf zurückkehre.
Ein guter Tag beginnt für mich mit …
… einer kleinen Yoga- oder Pilates-Einheit, einem großen Milchkaffee und einer Stunde Zeitunglesen – und das alles bitte ohne sprechen zu müssen. Ich bin kein klassischer Morgenmuffel, aber ich brauche definitiv meine Anlaufzeit. Dieses Ritual gibt mir Kraft und einen klaren Fokus für den Tag.
Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?
Es gibt im Unternehmertum auch Phasen, die nicht rosig sind – voller Zweifel, Unsicherheit oder Überforderung. Diese Emotionen brauchen Raum, und oft ist es nicht das Team, das diesen Raum geben kann. Ein starkes Netzwerk bietet die Möglichkeit, verstanden zu werden – ohne viele Erklärungen. Man trifft auf Menschen, die ähnliche Herausforderungen meistern und ehrliches Feedback oder einfach ein offenes Ohr schenken. Ich verlasse solche Treffen oft beschwingt und inspiriert – weil man spürt: Wir wollen gestalten, Verantwortung übernehmen, etwas bewegen. Das gibt Rückenwind.
Was hat Sie während Ihrer Selbstständigkeit/als Führungskraft am meisten überrascht?
Wie sehr Unternehmertum auch Persönlichkeitsentwicklung ist. Ich dachte zu Beginn, es geht vor allem um Fachliches, Strategien und Entscheidungen. Tatsächlich aber zwingt mich jede Wachstumsphase meines Unternehmens auch dazu, mich selbst weiterzuentwickeln – ob im Umgang mit Unsicherheiten, in meiner Kommunikation oder im Loslassen von Perfektionismus. Diese Verbindung zwischen persönlichem und unternehmerischem Wachstum hätte ich so nicht erwartet – und empfinde sie heute als unglaublich bereichernd.
Dr. Sabrina Zolg
PULSAR Medical AG
https://www.pulsarmed.de