Die Geschäftsführerin der compass international GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.
Elke Müller
Mit welchen Herausforderungen haben Gründerinnen zu kämpfen, und wie lassen sich diese gemeinsam bewältigen?...
... Darüber spricht Elke Müller, geschäftsführende Gesellschafterin der Compass International GmbH.
Als eine von über 230 Vorbild-Unternehmerinnen unterstützt Elke Müller ehrenamtlich die Initiative „FRAUEN unternehmen“. Die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ins Leben gerufene Initiative will Frauen ermutigen, den Weg in die berufliche Selbstständigkeit zu gehen. Dass das Gründerinnenpotenzial in Deutschland längst nicht ausgeschöpft ist, macht die Selbstständigenquote deutlich: Mit 7,6 Prozent ist diese bei Frauen nur halb so hoch wie bei Männern. Woran liegt das? „Frauen stehen sich häufig selbst im Weg“, weiß Elke Müller aus eigener Erfahrung zu berichten. Schuld daran seien die hohen Ansprüche, die viele Frauen an sich stellen. „Wenn ich etwas mache, soll es nahezu perfekt sein.“ Dieser Perfektionismus führe zu unnötigen Selbstzweifeln, die den Weg in die Selbstständigkeit versperren. „Männer denken da anders“, erklärt die Vorbild-Unternehmerin. „Die sagen im Gegensatz zu vielen Frauen einfach, egal, ich mache es trotzdem!“
Leider fehle es Gründerinnen auch immer noch viel zu oft an Unterstützung aus dem privaten Umfeld. Besonders gut erinnert sich Elke Müller, die auch als Dozentin an der Universität Stuttgart tätig ist, in diesem Zusammenhang an ein Gespräch mit einer jungen Frau. Diese erzählte, dass sie sich gern selbstständig machen würde, ihr Ehemann aber dagegen sei, weil sie dadurch nicht länger über die Familienversicherung krankenversichert sein könne. Daher würde sich laut ihres Mannes eine Gründung aufgrund der höheren Krankenversicherungskosten ohnehin nicht lohnen. „Das hat mich sprachlos gemacht“, so Elke Müller. „Natürlich kostet eine Selbstständigkeit am Anfang Geld, aber das kann doch kein Argument sein!“ Es müsse schließlich nicht immer gleich das große Startup oder Unicorn sein. „Wenn man klein anfängt, um sich auszuprobieren und zu schauen, ist das überhaupt etwas für mich, ist alles überschaubar, auch das Risiko. Das muss auch das private Umfeld begreifen.“
Als ich zehn Jahre nach der eigenen Gründung die GmbH meiner Kollegin abkaufen wollte, fragte mich der Bänker, ob ich nicht lieber meine Familie um die nötige finanzielle Unterstützung bitten wolle.
Doch auch bei der offiziellen Unterstützung sieht die Geschäftsführerin des BVMW-Mitglieds Compass International Frauen benachteiligt. Das kennt sie aus eigener Erfahrung. „Kreditvergaben an Frauen laufen schleppender als bei Männern. Als ich zehn Jahre nach der eigenen Gründung die GmbH meiner Kollegin abkaufen wollte, fragte mich der Bänker, ob ich nicht lieber meine Familie um die nötige finanzielle Unterstützung bitten wolle. Solche Gespräche sind für Gründerinnen extrem entmutigend, so etwas braucht wirklich kein Mensch.“ Auch viele Förderprogramme seien oft nur für große Unternehmen und nicht für kleinere Gründungen geeignet. Dabei seien kleineren Gründungen von Frauen erwiesenermaßen viel nachhaltiger als die ihrer männlichen Kollegen.
Natürlich spiele auch die Angst vor dem Scheitern eine große Rolle bei der Entscheidung, ob eine Frau den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Diese versucht sie gemeinsam mit anderen Vorbild-Unternehmerin Gründerinnen in Vorträgen und persönlichen Gesprächen zu nehmen. „Man sollte zunächst überlegen, was das Schlimmste ist, was passieren kann. Oftmals ist der mögliche Schaden nicht allzu groß. Auch wenn es mit der Selbstständigkeit nicht klappen sollte, gibt es immer einen anderen Weg, auf dem es weiter geht. Da müssen Frauen dazulernen und sich klarmachen: Ich kann jederzeit aussteigen.“
Als typisch deutsch bezeichnet Elke Müller dagegen die Reaktion darauf, wenn Gründerinnen scheitern. „Dann heißt es meistens, guck mal, die hat es auch nicht hinbekommen. Die wenigsten sagen, sie hat es aber wenigstens versucht.“ Darin sieht sie eine der wichtigsten Aufgaben der Vorbild-Unternehmerinnen. „Es geht darum, Gründerinnen Mut zu machen. Wir machen keine klassische Gründungsberatung. Natürlich braucht man einen vernünftigen Businessplan, doch mindestens genauso wichtig ist es, sich mit jemanden persönlich austauschen zu können, der am Anfang vielleicht dieselben Probleme hatte und mir Tipps gibt, wie ich mit bestimmten Situationen am besten umgehe. Dieser offene Austausch ist extrem wertvoll und wichtig.“
Aus diesem Grund rät Elke Müller Gründerinnen auch dazu, sich ein persönliches Netzwerk aufzubauen. „Am besten ein Frauennetzwerk, denn Frauen gehen anders miteinander um.“ Doch Frauen seien dabei eher zurückhaltend und betrachten Gleichgesinnte häufig als Konkurrenz. „Aber mit der Konkurrentin kann ich vielleicht in Zukunft einen großen Auftrag abwickeln, deshalb ist es wichtig, offen zu sein.“ Genau dort setzt auch die Aktion „Starke Frauen – Starker Mittelstand“ an, mit welcher der BVMW Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte die Möglichkeit gibt, sich untereinander zu vernetzen und Kooperationen zu fördern. „Mein Rat ist es, vor allen Dingen mutig zu sein und sich auszuprobieren, um zu schauen, macht mir das Spaß und habe ich Lust weiterzumachen? Die allermeisten stellen dann fest, das geht ja besser als gedacht! Dadurch ändert sich auch was an der Ausstrahlung, und das Umfeld merkt schnell, man ist deutlich glücklicher als in irgendeinem Angestelltenverhältnis.“
Elke Müller ist Betriebswirtin mit Spezialisierung im Human Resources Management. 1996 startete die Expertin für kultursensible und diversitätsbewusste Zusammenarbeit mit einem eigenen Seminarangebot. Sie ist Vorbild-Unternehmerin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz und engagiert sich im Zuge dessen ehrenamtlich für die Initiative „FRAUEN unternehmen“.