Starken Frauen im Mittelstand: Erleben Sie die spannenden Geschichten weiblicher Talente aus dem Netzwerk des BVMW.
Heike Schneider
Die CEO der GEFÄSSERIE – Die Wandbegrüner GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?
Der entscheidende Impuls kam vom Krawattier Josef A. Halbritter. Er sah das Potenzial in mir und bestärkte mich darin, den Weg in die Selbstständigkeit einzuschlagen. Nach kurzer Überlegung und dank meines positiven Bauchgefühls stand innerhalb von drei Tagen mein Entschluss fest: Ich werde Unternehmerin. Zu diesem Zeitpunkt war ich frisch ausgelernte Floristin mit der Erfahrung einer bereits ein halbes Jahr lang erfolgreich geleiteten Filiale. Dieses Vertrauen in mein eigenes Können, kombiniert mit einer schnellen Entscheidungsgabe, bildete den Startschuss für alles, was die GEFÄSSERIE heute ausmacht.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen.
Auf jeden Fall. Anfänglich hielt ich zu lange an Altem fest. Inzwischen treffe ich Entscheidungen deutlich schneller, sobald mein Bauchgefühl mir ein klares Signal gibt.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Der Weg von meinem Floristikladen zu unserem heutigen Unternehmen, der GEFÄSSERIE – Die Wandbegrüner GmbH, war ein Prozess der Neuerfindung in einer Zeit des massiven Umbruchs. Wir spürten damals deutlich, dass sich der Blumenmarkt wandelte: Floristik wurde immer mehr zum reinen Anlasskauf, die tägliche Selbstverständlichkeit ging verloren. Wenn ich ehrlich bin, habe ich in dieser Zeit zu lange gehofft, dass sich die Lage wieder normalisiert, und meine Entscheidung dadurch unnötig herausgezögert.
Rückblickend ist das meine wichtigste Erkenntnis: Ich hätte den Status quo früher loslassen und mutiger entscheiden sollen. Denn in dem Moment, als wir den neuen Weg konsequent einschlugen, nahm die Sache unglaublich schnell Fahrt auf.
Wir firmierten um zur GEFÄSSERIE, launchten unseren Onlineshop für hochwertige Pflanzgefäße und bauten die Bereiche Terrassen- und Innenraumbegrünung massiv aus. Durch die Qualität unserer Arbeit wuchsen wir fast organisch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Um unser Portfolio perfekt abzurunden, haben wir schließlich die Fassaden- und Vertikalbegrünung aufgenommen. Heute besetzen wir genau die Nischen, die modernes Wohnen und Arbeiten ausmachen.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
Der Baubeginn unserer neuen Firmenzentrale in Fuchsstadt vor drei Jahren. Wir mussten einem immensen Druck standhalten – verursacht durch Bauverzug aufgrund von Auflagen der Naturschutzbehörde. Den Bau trotz der Pandemie und massiv steigender Preise durchzuziehen, war eine enorme Belastungsprobe.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Wir befinden uns an einem Wendepunkt: Biophiles Design gehört als essenzielles Element auf die Straße und in die Büros, weit über den Status eines Schlagworts in Architekturmagazinen hinaus. Für rein dekorative Lösungen läuft uns die Zeit davon. Angesichts des Klimawandels ist die Integration von lebendigem Grün in den Alltag – ob an der Fassade oder im Meetingraum – eine notwendige Strategie zur Kühlung unserer Städte sowie zur Steigerung der Lebensqualität. Wir bei der GEFÄSSERIE agieren hier als Brückenbauer und setzen diese Vision ganz real um.
Parallel dazu ist die Professionalisierung unseres Onlineshops die logische Konsequenz. Unternehmen sind bereit für Investitionen in hochwertige Begrünung. Sie verlangen Prozesse mit einer Effizienz analog zu ihrem eigenen Business. Wir ermöglichen Firmen die schnelle und effektive Abwicklung komplexer Begrünungsprojekte.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Besondere Wertschätzung erfahren wir vor allem durch das durchweg positive Feedback unserer Kunden. Wenn unsere Begrünungskonzepte Räume zum Leben erwecken, ist es das schönste Lob. Ebenso wichtig ist uns der starke Zusammenhalt im Team – dieses vertrauensvolle Miteinander ist heute alles andere als selbstverständlich und motiviert uns jeden Tag aufs Neue.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?
Sich ganz schnell dem Wandel der Zeit anzupassen- Flexibilität ist der Schlüssel.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?
Wachstum braucht Wurzeln – das gilt für unsere Pflanzen genauso wie für unser Team. Wir bieten Sicherheit durch feste Arbeitsplätze und fördern Talente durch ehrliches Lob und regelmäßigen Austausch. Besonders stolz sind wir auf unsere Frauenquote: Bei uns führen Frauen das Business zum Erfolg, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der ersten Reihe.
Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen...
… mehr Akzeptanz und Respekt. Daraus soll ein Handeln resultieren, das Frauen aktiv integriert und ihnen Verantwortung überträgt.
Welches Buch empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen/Führungskräften?
Eindeutig „The Big Five for Life“ von John Strelecky. Er zeigt meisterhaft, wie organisches Wachstum gelingt, wenn man Menschen einstellt, deren persönliche Ziele mit der Firmenphilosophie harmonieren. Statt auf starre Kontrolle setze ich auf ein Umfeld, in dem Mitarbeiter durch den Sinn ihrer Arbeit motiviert werden und eigenverantwortlich aufblühen können.
Wer hat Sie am meisten inspiriert und warum?
Mein Mann Achim Eilingsfeld gab den entscheidenden Impuls für unsere heutige Ausrichtung. Er ist Macher, Vorwärtsdenker und zertifizierter Fassadenbegrüner. Ein kurzfristiger Kundenauftrag in Frankfurt bildete das Fundament: Gemeinsam realisierten wir dort unsere erste Wandbegrünung mit lebenden Pflanzen. Sein Tatendrang und seine Begeisterung für die Vertikalbegrünung wirkten ansteckend. Dank seiner Expertise und unserer gemeinsamen Leidenschaft bieten wir heute deutschlandweit einzigartig die gesamte Bandbreite der Begrünung an. Unsere erste grüne Wand existiert bis heute – vor einigen Jahren rüsteten wir sie lediglich auf unser aktuelles, innovatives Begrünungssystem um.
Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?
Yoga, Bewegung und viel frische Luft – das ist mein persönliches Rezept, um nach dem Arbeitsalltag abzuschalten und neue Kraft zu schöpfen.
Was wäre der Soundtrack zu Ihrem Weg in die Selbstständigkeit/zur Führungskraft?
Eindeutig „Go your Own Way“ von Fleetwood Mac.
Ein guter Tag beginnt für mich mit…
… mit rechtzeitigem Aufstehen. Das ist aktuell um 4.30 Uhr, um mich in Ruhe auf den Tag vorzubereiten. Dazu gehört bei mir Yoga und ein ausgiebiges Frühstück.
Wie bereiten Sie sich auf einen wichtigen Termin vor?
Ich sammle umfassend Informationen. Das gibt mir die nötige Sicherheit, um gefestigt in ein Gespräch zu gehen.
Wer war Ihre wichtigste Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit/zur Führungskraft?
Als meine wichtigsten Wegbegleiter kann ich nur immer wieder Josef A. Halbritter und seine Frau Hildegard nennen. Ihr Glaube an mich und ihre Unterstützung waren entscheidend – Hildegard hat mich im ersten Geschäftsjahr sogar so weit entlastet, dass sie die Buchhaltung für mich übernahm.
Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?
Ein starkes Netzwerk ist Gold wert: Mehr Köpfe wissen einfach mehr.
Was macht Sie zu einer guten Chefin?
Ich verstehe mich als Führungskraft, die vorangeht: Eine gute Chefin zeichnet sich für mich vor allem durch eine Vorbildfunktion und einen tiefen Respekt gegenüber jedem Mitarbeiter aus. Ich lege Wert auf eine offene Kommunikation, zu der sowohl Lob als auch angemessene, konstruktive Kritik gehören – denn nur so können wir gemeinsam wachsen. Da ich die Abläufe in meinem Unternehmen genau kenne, kann ich die täglichen Herausforderungen einschätzen und bin für mein Team jederzeit als ansprechbare und präsente Partnerin vor Ort.
Was wird Ihr nächstes Projekt?
Wir haben viel vor: Ein wichtiger Meilenstein ist der Aufbau unseres spezialisierten B2B-Shops. Parallel dazu freue ich mich darauf, mein Fachwissen als frisch zertifizierte Innenraumbegrünerin noch gezielter in unsere vielfältigen Kundenprojekte einfließen zu lassen, um Räume noch lebendiger zu gestalten. Ein besonderes Highlight in der Planung ist zudem eine Veranstaltung des BVMW, die wir 2027 voraussichtlich direkt bei uns im Haus ausrichten werden.
Am meisten begeistert mich an meinem Beruf…
… die Vielfältigkeit.
Was haben Sie von Ihrem Team gelernt?
Durch die Zusammenarbeit mit meinem Team habe ich verstanden, dass konstruktive Kritik ein Vertrauensbeweis ist. Ich schätze den Mut zur Offenheit sehr und habe gelernt, dieses Feedback als Kompass zu nutzen, um unsere Arbeitsweise und unsere Projekte stetig zu optimieren.
Gibt es eine Frage, die Sie gern einem Politiker oder einer Politikerin stellen würden? – Wem würden Sie diese Fragen stellen?
Ich würde Bundeskanzler Friedrich Merz zur Integration von Frauen befragen. Es interessiert mich, woher seine Haltung rührt, Frauen in gewissen Konstellationen weniger einzubinden, und warum er solche Standpunkte heute noch so laut vertritt.
Wie stehen Sie zum Thema Gendern?
Gleichberechtigung ist mir wichtig, deshalb lege ich Wert auf eine Sprache, die alle Geschlechter gleichermaßen anspricht. Für mich ist inklusives Gendern ein Ausdruck von Respekt und Modernität – passend zu unserem Anspruch, Räume zu gestalten, in denen sich jeder willkommen fühlt.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Meine Faszination für die Pflanzenwelt wurzelt in meiner Kindheit. Schon in jungen Jahren verbrachte ich viel Zeit mit meinem Vater im Garten, was meine angeborene Neugier und Liebe zu allem, was wächst und blüht, verstärkte.
Meine Bestimmung zeigte sich früh, lange bevor ich den Beruf der Floristin benennen konnte. Ein prägendes Erlebnis war ein Muttertag, als ich etwa sechs Jahre alt war: Die Nachbarskinder pflückten mengenweise Blumen, ich saß am Wegesrand und fertigte aus den gesammelten Schätzen für alle Mütter kleine Sträußchen, die ich mit langen Ranken zusammenband. Das war der Moment, in dem sich unbewusst der Weg für meine spätere Berufung ebnete.
Was hat Sie während Ihrer Selbstständigkeit/als Führungskraft am meisten überrascht?
„Überrascht“ ist eher unzutreffend, ich würde es ist eher als tiefe Faszination für die eigene Reise bezeichnen: vom kleinen Floristikladen in Hammelburg hin zu einem bundesweit einzigartigen Experten für Vertikal- und Innenraumbegrünung. Was mich dabei immer wieder bestätigt hat, ist der Erfolg des „Andersmachens“. Ob es meine Ladeneröffnung im Stil einer Vernissage war oder mein Leihkonzept für Hotelvasen – ich war der Zeit oft einen Schritt voraus, was mehr als einmal belächelt wurde. Mich hat beeindruckt, wie sehr Kunden Innovation und Mut belohnen, wenn man konsequent positiv bleibt, den Wandel der Zeit mitgeht und aktiv gestaltet.
Heike Schneider
GEFÄSSERIE – Die Wandbegrüner GmbH
https://gefaesserie.de/