Form folgt Funktion

Mit der Einführung der industriellen Fertigung mussten Produkte Anfang des 20. Jahrhunderts so einfach und funktional gestaltet werden, dass sie effizient in Massen hergestellt werden konnten.

Das entsprechende Gestaltungsprinzip ist nach wie vor aktuell.

Das Gestaltungsprinzip „Form folgt Funktion“ wurde zur Leitidee der Weimarer Designschule Staatliches Bauhaus, die 1919 von dem Architekten Walter Gropius gegründet wurde und eine moderne Synthese aus Kunst und Handwerk, eine Kombination von Lehre und Anwendung postulierte mit dem Ziel der Massenreproduzierbarkeit der entworfenen Produkte. Für Gropius waren die Konzentration auf das Wesentliche und Klarheit der Form maßgebend und ästhetisch richtungsweisend. Im Fokus jedes Entwurfs standen die Effizienz und die Nützlichkeit eines Produktes. Entsprechend sollte auch die Form ausschließlich von der Funktion beeinflusst sein. Dekoratives Beiwerk, Verzierungen und Verspieltheit erschienen ihm überflüssig, da sie für den eigentlichen Zweck des Objektes nicht nützlich waren und die Reproduktion aufwendiger wurde.

Bauhaus-Leuchte

Die Tischleuchte der Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Juncker wurde in der Metallwerkstatt des Bauhauses nach ihrer Neuorganisation unter der Leitung des Künstlers und Formmeisters László Moholy-Nagy ab 1923 in unterschiedlichen Ausführungen hergestellt. Für ihre Gestaltung wurden neue Materialien wie vernickelter Stahl und Glas verwendet. Der Schirm wurde aus Licht zerstreuendem Opalglas gefertigt. Mit Opalglas versehene Leuchten wurden bis dahin nur im industriellen Bereich eingesetzt. Sie ist die erste elektrische Leuchte, die zerstreutes Licht im privaten Raum ermöglichte. Durch die Reduzierung auf einfache geometrische Formen, kreisförmiger Sockel, zylindrischer Schaft und Schirm in Form einer Fünf-Achtel-Kugel, erreichten Wagenfeld und Juncker mit dem Design ihrer Leuchte sowohl maximale Funktionalität und Einfachheit der Form als auch in Bezug auf Produktionszeit und verwendete Materialien beste Reproduzierbarkeit. Sie verkörpert den Gestaltungsleitsatz „Form folgt Funktion“ in perfekter Harmonie.

Zeitloses Gestaltungsprinzip

Das Prinzip „Form folgt Funktion“ ist heute aktueller denn je und auch für zunehmend komplexer werdende, zukünftige Produktentwicklungen anwendbar. Je komplizierter Produkte und ihre technische Struktur werden, desto wichtiger ist ein vereinfachtes, anwenderfreundliches Design, damit der Gebrauchswert der Produkte für den Nutzer optimiert wird. Das Leonardo da Vinci zugeschriebene Zitat aus dem 15. Jahrhundert bleibt weiter aktuell: „In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung“.

 

Thomas Lindemer
VISIUS Design

Art Director DER Mittelstand.

lindemer@visius-design

Gut zu wissen

■ Das Gestaltungsprinzip „Form folgt Funktion“ wurde zur Leitidee des Bauhaus Weimar

■ Die Bauhaus-Tischleuchte wird seit 1923 hergestellt