Neues Unternehmerbild

Um unternehmerisches Denken an Schulen verstärkt zu etablieren, braucht es eine neue Definition des Entrepreneurs. Er muss im Zusammenhang mit Ökonomie, sozialem Umfeld und ökologischer Nachhaltigkeit gesehen werden.

klassenzimmer
Foto: © yanlev von www.stock.adobe.com

Das Gemeinsame von Grünen und FDP in der Ampel ist der Wunsch, etwas im Land zu verändern. Das aktive Gestalten, zum Beispiel von Nachhaltigkeit und Digitalisierung, hat Vorrang vor dem Verwalten: von der Administration zur Transformation.

Entrepreneurship Education

Obwohl Entrepreneurship Education seit der Lissabon-Agenda eines der wichtigsten Bildungsziele in Europa ist und in den letzten 20 Jahren mehr als 100 Lehrstühle für Entrepreneurship an deutschen Hochschulen entstanden sind, hat es keinen wirklichen Durchbruch der Entrepreneurship-Lehre an deutschen Schulen gegeben. In einer Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2016 zu Entrepreneurship- Lehre an europäischen Schulen fällt vor allem das große Land auf, das keine Daten geliefert hat: Deutschland.

Wie wird Entrepreneurship definiert?

Ein erster Schritt zur Überwindung der Ökonomieskepsis in Deutschland ist die neue Entrepreneurship-Definition. International ist der Entrepreneur als Agent des Wandels eher positiv konnotiert. Die EU definiert Entrepreneurship als das Eingehen auf Chancen und Ideen und das daraus resultierende Schaffen finanzieller, kultureller oder sozialer Werte. Der ökonomische Wertbegriff wird erweitert und die Ziele der sozial-ökologischen Marktwirtschaft werden unterstützt. Das Kreative und der Pioniergeist in Verbindung mit Sparsamkeit und wirtschaftlicher Kompetenz stehen im Vordergrund. Sparsamkeit heißt dabei nicht allein auf die Arbeitskosten zu achten, sondern zunehmend auch auf den sparsamen Verbrauch von natürlichen Ressourcen.

Stärkere Vermittlung an Schulen

Der Entrepreneur muss als kreativer Problemlöser im Spannungsfeld von Ökonomie, sozialem Umfeld und ökologischer Nachhaltigkeit wahrgenommen werden. Vom Entrepreneur getrennt steht der Kapitalist, dessen Funktion in der Marktwirtschaft das Zurverfügungstellen von Kapital ist und der stets die bestverzinste Alternative wählen wird. Mit der Kenntnis über die Differenzierung des Entrepreneurs vom Kapitalisten und der Einbeziehung der sozialen, ökologischen und kulturellen Sphäre kann ein Weg aufgezeichnet werden, um an deutschen Schulen gezielt unternehmerische Kreativität und Wertschöpfung zu fördern. Dieser Weg führt auch zu mehr ökonomischer Teilhabe von großen Teilen der Bevölkerung. Anstelle der Ausrichtung der Politik am Kapital allein sollte die Vermittlung des Wissens um die Prozesse zur Umsetzung von Innovationen und das Verständnis grundlegender Marktprozesse intensiviert werden. Im Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Digitalisierung liegt die Zukunft der Bildung. Die Zukunft gehört der Entrepreneurship Education.

 

Prof. Dr. Sven Ripsas
Professor für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin und Vorstand des NFTE Deutschland e. V.

BVMW-Mitglied

www.nfte.de

Gut zu wissen

■ Im Jahr 2018 hatten in Deutschland lediglich sechs Bundesländer das Ziel der unternehmerischen Bildung im Wirtschaftsund Bildungsministerium verankert

■ In weiteren drei Bundesländern gab es in einem der beiden Ministerien Ressourcen für die Entrepreneurship Education

■ Der gemeinnützige Verein NFTE (Network for Teaching Entrepreneurship) setzt sich dafür ein, Unternehmergeist in die Schulen Deutschlands zu bringen