Nachhaltiges (Um-)Bauen

Mit bestehenden Immobilien und beim Bauen können Unternehmerinnen und Unternehmer zu Klimaschützern werden und dabei auch noch sparen.

Holzhybridbauweise der Vollack Gruppe: zukünftiger Firmensitz von generic.de.

Konventionelles Bauen ist für die Umwelt belastend. Weltweit ist der Bau und Betrieb von Immobilien für 17 Prozent des Wasser-, 25 Prozent des Holz- und 40 bis 50 Prozent des sonstigen Rohstoffverbrauchs verantwortlich. In Deutschland verursachen Gebäude knapp 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und circa 30 Prozent der CO2 -Emissionen. Somit sind Gebäude ein entscheidender Faktor zur Erreichung nationaler und internationaler Klimaschutzziele, weshalb die Bundesregierung bis 2045 einen klimaneutralen Gebäudebestand realisieren möchte.

Warum ist nachhaltiges Bauen wichtig?

Unternehmen sollten einen genaueren Blick auf Bauwerke und Bauvorhaben werfen, denn diese haben eine lange Nutzungsdauer und einen hohen und kostenintensiven Energie- und Ressourcenverbrauch. Die Modernisierung des Altbestandes oder ein effizienter Neubau sind effektive Wege, Nachhaltigkeit und Kostenreduzierung miteinander zu verbinden. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Energiekosten in den letzten 15 Jahren um 200 Prozent gestiegen sind, lohnen sich umwelt- und klimaschonende Maßnahmen.

Was ist nachhaltiges Bauen?

Nachhaltiges Bauen bezieht sich auf die drei Nachhaltigkeitsdimensionen: Soziales, Ökologisches und Ökonomisches. Die Weiterentwicklung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2021 definiert es spezifischer: Erhalt der Biodiversität, Ressourcenschonung und Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen, Reduzierung des Flächenverbrauchs, nachhaltige Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen einschließlich der Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette, Sicherung von Gesundheit und Komfort von Nutzern, Energieeffizienz und Klimaneutralität.

„Holz ist absolut nachhaltig und vollständig recycelbar. Nach einem Abbau kann Holz wieder verwendet werden – ein positiver Beitrag zur CO2-Bilanz von Gebäuden.”


Dafür müssen Gebäude ganzheitlich betrachtet werden. Sie sind das Ergebnis eines Planungs- und Bauprozesses mit einer Planungs-, einer Errichtungs-, einer Nutzungsphase und dem Abbau. In diesen Phasen können sowohl einzelne Produkte als auch die gesamte Herstellung, der Transport, die Nutzung und der Rückbau nachhaltiger gestaltet werden.

Klimaschutz spart Kosten

Nachhaltige Alternativen sind oftmals nicht teurer. Im Gegenteil: Vorausschauend geplant, lässt sich langfristig durch geringere Betriebskosten oder flexible Umfunktionierung der Immobilie sogar Geld sparen.

Als Leitlinie gilt, dass ein Gebäude klimagerecht, wirtschaftlich, von hoher Qualität und lange nutzbar sein sollte und Ressourcen verantwortungsvoll eingesetzt werden. Das beginnt bereits bei der Baufläche, denn nachhaltiges Bauen schont Naturräume. Ein Meter fruchtbaren Bodens hat über 10.000 Jahre in der Entstehung gebraucht. Daher sollte flächensparend geplant werden, um Lebensräume zu erhalten und Boden zu schützen.

Da sich Unternehmen und Ansprüche an Gebäude verändern, sollte bei der Funktionalität auf die Wandelbarkeit der Nutzung geachtet werden, ohne dass hohe Kosten, Energie und Materialien in Umbaumaßnahmen fließen müssen.

Ressourceneffizientes Bauen umfasst sowohl Energie- als auch Materialeffizienz. Letzteres wird durch die Nutzung regionaler, nachwachsender, recyclingfähiger und langlebiger Baumaterialien erzielt. Dazu zählen Ton, Hanf, Lehm oder Natursteine. Nachhaltige Dämmstoffe sorgen zudem für ein behaglicheres Raumklima. Dazu zählt beispielsweise Holzwolle, welche zudem schwer entzündbar ist.

Baustoff Holz

Die Vollack Gruppe (Mitglied im BVMW) errichtete für einen Kunden ein innovatives Bürogebäude aus einer Holzhybrid-Konstruktion. Carsten Kipper, Partner Vollack Süd: „Holz ist ein großartiger Rohstoff: Trotz seines geringen Eigengewichts hat es eine hohe Tragfähigkeit und ist von Natur aus ein guter Dämmstoff. Es ist absolut nachhaltig und vollständig recycelbar. Nach einem Abbau kann Holz wieder verwendet werden – ein positiver Beitrag zur CO2-Bilanz von Gebäuden.”

Energieeffiziente Gebäude mit niedrigem Energiebedarf sparen schnell Kosten ein. Knapp 30 bis 40 Prozent des Energieverbrauchs können Unternehmen durch Effizienzmaßnahmen einsparen. Bei Neubauten sollte ein Niedrigenergie- oder Passivhaus anvisiert werden. Der Energiebezug durch externe Energieerzeuger kann durch die Nutzung regenerativer Energiequellen vermindert werden, je nach Standort und Branche durch Photovoltaik-, Windkraft- oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen.

Aus alt mach neu

Gerade bei Erweiterungen von Unternehmen stellt sich die Frage: Neubau oder Modernisierung? Für die Reduzierung grauer Energie und Emissionen lohnt sich ein Wiederaufbau. Graue Energie bezeichnet Energie, die bei der Herstellung von Baumaterialien anfällt, graue Emissionen die anfallenden Treibhausgasemissionen. Auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes betrachtet, macht graue Energie bei einem Neubau 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs und graue Emissionen 80 Prozent aus. Ein enormes Einsparpotenzial – auch finanziell: „Natürlich ist ein Neubau auf den ersten Blick günstiger, als einen alten Bestand aufzubauen. Die Mehrkosten hat man jedoch schnell wieder drin, Unternehmen sollten die Vorteile nutzen und jetzt anfangen umzurüsten”, so Stefan Penno, CEO von der REMBE GmbH Safety + Control. Das langjährige BVMW-Mitglied produziert Berstscheiben und berät im Bereich Prozesssicherheit und Explosionsschutz.

 

Gut zu wissen

Der BVMW und das Fraunhofer IPK unterstützen im Projekt KliMaWirtschaft Unternehmen dabei, CO2-Emissionen systematisch zu reduzieren. Das kostenfreie Angebot umfasst drei Workshops, eine Klimaschutztoolbox und regelmäßigen Austausch mit Expertinnen und Experten.

Weitere Infos: www.klimaschutz-wirtschaft.de

Saskia Schmidt
BVMW Projektmanagerin Projekt KliMaWirtschaft

saskia.schmidt@bvmw.de

 


Foto: © Vollack Gruppe