Deutscher Mittelstand: Stabilitätsgarant in der Krise

Der Mittelstand ist seiner Rolle als Garant für ökonomische Stabilität und Fortschritt auch unter Krisenbedingungen gerecht geworden.

Das ist das Ergebnis der Ende Juli vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn veröffentlichten Zahlen über die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen während des Pandemiejahrs 2020.

Im Untersuchungsjahr waren 3,35 Millionen KMU registriert. Damit stellt der Mittelstand 99,3 Prozent aller deutschen Unternehmen. Sie erwirtschafteten 2,3 Billionen Euro Umsatz oder 34 Prozent des gesamten Umsatzes deutscher Unternehmen. Der Anteil an der Nettowertschöpfung lag bei 60 Prozent. Damit befinden sich die Zahlen auf ähnlichem Niveau wie 2019 und belegen die Resilienz des mittelständischen Unternehmertums. Trotz der Lieferkettenschwierigkeiten exportierten KMU Güter und Dienstleistungen im Wert von 207 Milliarden Euro. Dieser Wert ist beachtlich, denn 2019 wurden noch ohne Einschränkungen durch die Pandemie Waren im Umfang von 215 Milliarden Euro exportiert. Sendungen an Privatpersonen im europäischen Raum werden statistisch nicht einmal erfasst, weshalb der Betrag real noch höher ausfallen dürfte. KMU investierten trotz finanzieller Engpässe 7,68 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Mit 54,4 Prozent sind über die Hälfte aller abhängig Beschäftigten und 70,6 Prozent aller Auszubildenden im Mittelstand tätig. Trotz leichtem Schwund beim Anteil der Auszubildenden (2019 waren es noch 71 Prozent) sind auch in diesen Bereichen die Zahlen stabil geblieben.

Ursachen der Resilienz

Gerade im Hinblick auf die kommenden Monate sollte die Frage nach den Gründen für die Resilienz mittelständischer Unternehmen beantwortet werden. Nach Angaben des IfM Bonn zeigt sich, dass die entscheidenden Bestimmungsgründe noch wenig erforscht sind. Anders verhält es sich bei den persönlichen Eigenschaften der Unternehmerinnen und Unternehmer. Hier ist eine hohe Anpassungsund Lernfähigkeit von erheblichem Einfluss auf die Resilienz der Unternehmen. Ebenfalls relevant ist die psychische Gesundheit, die sich durch Optimismus und Vertrauen in das eigene Tun zeigt. Persönliche Netzwerke sind zudem ein Faktor für die Krisenfestigkeit. Insbesondere dieser letzte Punkt dürfte für die in der Regel familiengeführten Mittelstandsunternehmen eine übergeordnete Rolle spielen.

 

Dr. Hans-Jürgen Völz
BVMW Chefvolkswirt
hans-juergen.voelz@bvmw.de

Jasper Lüke
BVMW Volkswirtschaft
jasper.lueke@bvmw.de

Gut zu wissen

■ Während des Pandemiejahrs 2020 haben KMU ihre hohe volkswirtschaftliche Bedeutung beibehalten

■ KMU stellen 99,3 Prozent aller Unternehmen, erwirtschaften 34 Prozent des Umsatzes und stellen 60 Prozent der Nettowertschöpfung

■ Selbstvertrauen, Flexibilität und ein starkes persönliches Netzwerk stärken die Resilienz von Unternehmen in Krisenzeiten