INTERVIEW | Lehren aus dem „Nachfolgemonitor 2021“

Die 2021 zum dritten Mal vorgelegte Studie ist eine Untersuchung des Nachfolgegeschehens in Deutschland. Welche hilfreichen Informationen gibt der Nachfolgemonitor Unternehmenden, die auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin sind?

nachfolgemonitor 2021

Die Studie beruht auf Daten des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken und von Creditreform Rating. Wissenschaftlicher Herausgeber ist Dr. Holger Wassermann, Mitglied des BVMW-Expertenkreis Unternehmensnachfolge. Zwei Berliner Kollegen aus diesem Expertenkreis, der „Nachfolgebegleiter“ Wolf Wilder und der Rechtsanwalt Dr. Benno Packi, haben die Studie unter die Lupe genommen und mit Prof. Wassermann darüber gesprochen:

Wolf Wilder: Der Nachfolgemonitor ist bestimmt die beste Studie dieser Art in Deutschland, aber erfasst sie alle Unternehmenstransaktionen? Mein Eindruck aus der Praxis ist, dass es 2020 weniger Firmenverkäufe als in normalen Jahren gab.

Dr. Benno Packi: Da die Studie auf Daten, unter anderem der Bürgschaftsbanken, beruht, die auf einen Finanzierungsbedarf hindeuten, dürfte die familieninterne Nachfolge unterrepräsentiert sein.

Dr. Holger Wassermann: Seit 2013 konnten wir rund 8.000 Unternehmensübergaben beobachten und vergleichen. Wegen der limitierten Höhe der öffentlichen Bürgschaften beziehen sich die Angaben der Bürgschaftsbanken allerdings nur auf Unternehmen mit bis zu 40 Mitarbeitern und bis maximal 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz.

Dr. Benno Packi: Nach meiner Beobachtung werden die Bürgschaftsbanken von den Hausbanken nicht mehr so oft in Kreditvergaben einbezogen wie früher. Das war meist dann der Fall, wenn die Ratingampel für ein Projekt auf „gelb“ stand. Heute kennt der Ratingcomputer nur noch „grün“ oder „rot“. Die grünen Transkationen laufen dann oft an den Bürgschaftsbanken vorbei.

Dr. Holger Wassermann: Trotzdem zeichnet sich ein Trend ganz deutlich ab: die Umsatzgröße der verkauften Unternehmen nimmt zu.

Wolf Wilder: Was die externe Übernahme betrifft, so spüre ich das auch. Wir sind zunehmend in einem Käufermarkt. Kleinere Unternehmen haben es immer schwerer, außerhalb der Familie einen Nachfolger zu finden.

Dr. Benno Packi: Umso wichtiger wird es, frühzeitig eine Strategie für die Unternehmensnachfolge zu entwickeln – zum Beispiel, indem eine eigene Führungskraft auf die Nachfolger-Rolle vorbereitet wird. Mit dem passenden Modell der Kaufpreisfinanzierung können auch angestellte Führungskräfte den Kaufpreis für das Unternehmen aufbringen.

Wolf Wilder: Dabei sollten die weiblichen Führungskräfte nicht übergangen werden. Immer noch trauen viele Verkäufer einer Frau die Firmenübernahme fälschlicherweise nicht zu.

Dr. Holger Wassermann: Durch den Fachkräftemangel wird das Personal einer Firma immer häufiger zum eigentlichen Übernahmeziel einer Transaktion. Maßnahmen zur Bindung aller qualifizierten Mitarbeitenden gehören damit gleichfalls zu einer klugen Nachfolgestrategie.

Die Gesprächspartner

(alle Personen sind Mitglied des BVMW-Expertenkreises Unternehmensnachfolge)


 

dr. holger wassermann

Dr. Holger Wassermann

 

dr. benno packi

Dr. Benno Packi

 

wolf wilder

Wolf Wilder

 

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