Forderungen

1. Digitalisierung endlich umsetzen

Die Digitalisierung prägt immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Deswegen sind alle Bildungsträger gefordert, Lernende jeder Altersgruppe und aller Bildungswege fundiert und qualifiziert auf diese fundamentale Veränderung unserer Gesellschaft vorzubereiten und zu einer Kultur der umfassenden „digitalen Aufklärung“ beizutragen. Menschen aller Altersgruppen müssen die Chancen und Risiken der Digitalisierung erkennen und bewerten können, um sie zu beherrschen. Die Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen, Infrastruktur und Ressourcen bereitstellen. Deshalb fordern wir ein umfassendes Paket des Bundes, welches über den DigitalpaktSchule hinausgeht und langfristig Unterstützung bietet aber vor allem schnelles Handeln, um dies sicherzustellen. Digitalisierung muss in allen Bereichen der Bildung voran gebracht werden.

2. Bildungsausgaben effizienter nutzen

Wir stellen fest, dass immer mehr Geld für Bildung in der Bildungsbürokratie und in Reformprojekten von zweifelhaftem Nutzen versickert - zu wenig kommt in den Schulen vor Ort an. Investitions- und Instandhaltungsstau sowie eine Digitalisierungslücke, sind Folgen dieser Entwicklung. Wir fordern innerhalb der föderalen Strukturen, dass die Schulen mehr Autonomie erhalten, um über ihre eigenen Finanzen zu entscheiden und dadurch Personal, Investitionen und Organisationsstrukturen planen zu können. Zugleich stellen wir fest, dass das Bildungssystem chronisch unterfinanziert ist. Deswegen fordern wir, dass ein Prozentpunkt der Mehrwertsteuer zusätzlich in Bildung fließt. Damit stünden für zehn Jahre 100 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung und es wäre der Start in eine wirkliche Bildungsdekade.

3. Bildung für alle

Die soziale Schere in Deutschland geht immer weiter auseinander – und damit einhergehend die Bildungschancen. Kinder, aber auch Erwachsene, dürfen nicht aufgrund ihrer sozialen oder regionalen Herkunft oder eines Migrationshintergrundes von Bildung ausgeschlossen oder beim Erwerb von Bildung benachteiligt werden. Das ist nicht akzeptabel. Wir fordern, dass Menschen ungeachtet ihrer Hintergründe durch ausreichendes und geschultes Personal gefördert werden. Dazu sind entsprechende staatliche Rahmenbedingungen, wie vielfältige und differenzierte Bildungswege sowohl vor, als auch nach dem Berufseinstieg nötig. Jeder sollte die Möglichkeit erhalten, die eigenen Kompetenzen laufend erweitern zu können um so einen wichtigen Beitrag, sowohl für die Gesellschaft, als auch die Wirtschaft, leisten zu können. Nach dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“ sollte es nicht an Infrastrukturen, noch an fehlenden Ausbildungskräften scheitern Bildung überall und für alle anzubieten. Wir benötigen dringend Fachkräfte und können es uns nicht leisten, soziale Gruppen dabei auszuschließen.

4. Vernetzung von Schulen und Wirtschaft stärken

Die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen muss von den Ländern gefördert und intensiviert werden. Schule muss wieder mehr mit dem realen Leben nach der Schule zu tun haben. Deswegen brauchen wir mehr Praxis- und Wirtschaftsthemen in der Schule und regelmäßige Kontakte der Schulen zur örtlichen Wirtschaft durch verbindliche Kooperationen. Wir müssen in der Bildung das Unternehmertum fördern und auf Karrierechancen gerade in der Selbstständigkeit verstärkt hinweisen. Aus Sicht des BVMWs muss daher ein Fach für Wirtschaft, Informatik und Medienkompetenzen an deutschen Schulen flächendeckend eingeführt werden, welches neben Theorie auch ausreichend praktische Erfahrung vermittelt.

5. Wir brauchen gute Master und gute Meister

Die gesellschaftliche Anerkennung eines jungen Menschen darf nicht vom Abitur oder dem Hochschulabschluss abhängen. Der Erwerb eines guten Hauptschul- und Realschulabschlusses muss gesellschaftlich ebenso gewürdigt werden. Beide sind die Grundlage für eine qualifizierte duale berufliche Bildung. Ohne diese könnten die mittelständischen Unternehmen nicht der Motor der deutschen Wirtschaft bleiben. Wenn aktuell nahezu zwei Drittel eines Jahrgangs ein Studium aufnehmen und nur ein Drittel einen Beruf erlernt, ist dies ein Umstand, der nicht an den Bedarfen und Realitäten der Wirtschaft ausgerichtet ist. Deswegen muss die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung endlich wieder ein fester Grundsatz unserer Gesellschaft sein. Wir fordern eine bundesweite Kampagne für berufliche Bildung sowie die Gründung einer Bundesstiftung für berufliche Bildung, an der sich Bund, Länder und Kommunen sowie Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Bildung beteiligen.

6. Berufliche Weiterbildung fördern

Weiterbildung und lebenslanges Lernen entscheiden im Rahmen von Veränderungsprozessen über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Außerdem sind sie ein wichtiger Schlüssel zu sozialer Teilhabe und beruflichem Erfolg. Die Finanzierung der beruflichen Weiterbildung wird in Deutschland gemeinschaftlich durch Betriebe, Beschäftigte und die öffentliche Hand gewährleistet. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass sich bei der individuellen beruflichen Weiterbildung gerade einmal 12 Prozent aller ArbeitnehmerInnen weiterbilden. Zudem legt sie einen bedeutenden Unterschied offen: Von Armut Betroffene und Geringqualifizierte im Erwerbsalter (25 bis 54 Jahre) bilden sich im Vergleich zur restlichen Bevölkerung deutlich weniger fort. Dies ist gerade in Zeiten eines sich immer weiter verschärfenden Fachkräftemangels fahrlässig. Der Staat wäre daher gut beraten, Anreize für eine stärkere Beteiligung Geringqualifizierter und finanziell Bedürftiger an Weiterbildungsmaßnahmen zu geben. Nur wenn wir im Bereich der Weiterbildung mehr Transparenz über die bestehenden Möglichkeiten und die einzelnen Angebote herstellen, steigt ihre öffentliche Akzeptanz. Ein weiterer Schritt wäre, eine einheitliche und verbindliche Zertifizierung der Weiterbildung zu schaffen. Dies führt zu einer Anerkennung der Qualifikation und schafft mehr Transparenz.

7. Lehrende sind die wichtigsten Träger von Bildung

Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Respekt, Anerkennung und Wertschätzung gegenüber der Leistung von Lehrenden. Dazu gehören neben LehrerInnen und ErzieherInnen auch TrainerInnen und DozentInnen. Wichtig ist, dass die Länder wieder mehr in eine quantitativ ausreichende und nachhaltige Ausbildung von Lehrenden investieren. Diese Ausbildung muss so differenziert sein, dass vielfältige Bildungswege möglich sind, um Lernende optimal und individuell zu fördern. Die praktische Erfahrung der Lehrenden darf hierbei nicht zu kurz kommen. Weiterbildungen und praktische Trainings sollten für Lehrende regelmäßig angeboten werden ohne dass sich Individuen um die Finanzierung sorgen müssen.