Bürokratiemonster A1-Bescheinigung

Entsendungen in das europäische Ausland haben sich zu einem echten Bürokratiemonster für den Mittelstand entwickelt. Unter dem Deckmantel des Arbeitnehmerschutzes wird die Freizügigkeit der Mitarbeiter eingeschränkt.

 

 

Seit 2010 benötigen Mitarbeiter für jede dienstliche Reise ins EU-Ausland eine Bescheinigung über ihre Sozialversicherung. Die A1-Bescheinigung und Arbeitnehmerfreizügigkeit sollen die Dienstleistungsfreiheit stärken. Doch der tatsächliche Bürokratieaufwand ist für Unternehmen enorm. Informieren Sie sich bei uns wie sie eine A1-Bescheinigung beantragen und was Sie darüber wissen müssen.

Testen Sie Ihr Wissen über die A1-Bescheinigung!

Gut zu wissen

 

  • Seit 2010 benötigen Mitarbeiter für jede dienstliche Reise ins EU-Ausland eine Bescheinigung über ihre Sozialversicherung
  • Bei Entsendungen innerhalb der EU sollte stets vorab eine A1-Bescheinigung beantragt werden
  • Die Antragsstellung für gesetzlich Krankenversicherte erfolgt bei der zuständigen Krankenkasse
  • Selbständige und Privatversicherte können die A1-Bescheinigung bei Deutsche Rentenversicherung Bund beantragen
  • Bei regelmäßig wiederkehrenden Tätigkeiten im Ausland kann eine sogenannte Dauerbescheinigung A für bis zu ein Jahr beantragt werden
     

A1-Formular beantragen – so geht´s:

 

  1. Beantragen Sie das A1-Formular über Ihr genutztes Abrechnungsprogramm.
  2. Benennen Sie das Reiseziel mit Namen und Adresse des Geschäftspartners und geben Sie den Übernachtungsort an.
  3. Sie erhalten die maschinell erstellte A1-Bescheinigung als elektronisches Dokument im Abrechnungsprogramm.
  4. Drucken Sie die Bescheinigung aus und übergeben Sie diese an Ihren Arbeitnehmer.

Ausführliche Informationen finden Sie hier: A1_Informationen zum Vordruck A1 und zu seiner Verwendung.pdf
 


 


Ansprechpartnerin

Amelie Heindl

Zum Profil

Referentin für Arbeit, Soziales und Gesundheit

BVMW

Bundeszentrale

Potsdamer Straße 7

10785 Berlin

+49 30 533206-187

+49 30 533206-50

amelie.heindl@bvmw.de


 

1. Europas unsichtbare Grenzen – wie die A1-Bescheinigung Dienstreisen erschwert

Europa ist im Trend. Dieser Meinung ist nicht die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sondern wie die Beteiligung an der Europawahl zeigt auch die Bevölkerung. Wirtschaft und Zivilgesellschaft stehen gemeinsam für ein offenes und geeintes Europa ein. 

Dennoch macht sich unter den Unternehmern immer wieder Frust gegenüber der EU im alltäglichen Geschäft breit. Ein Grund dafür ist die verpflichtende Beantragung der A1-Bescheinigung bei Dienstreisen innerhalb der Europäischen Union. Ursprünglich geplant für eine Verbesserung des Arbeitnehmerschutzes, haben sich Entsendungen von Arbeitskräften ins europäische Ausland durch dieses Formular zu einem wahren Bürokratiemonster entwickelt.

Die A1-Bescheinigung – der alltägliche Wahnsinn

Besonders deutlich wird der bürokratische Unsinn bei Entsendungen, wenn man sich folgendes Praxisbeispiel vor Augen führt. Ein Unternehmer erhält den Anruf eines Kunden, der ihn am nächsten Tag gerne in Wien sprechen möchte. Doch so kurzfristig ist der Besuch nicht möglich, da zunächst die A1-Bescheinigung für diesen kurzen Geschäftstermin beantragt werden muss. Nach circa drei Tagen kann das Gespräch, nach Erhalt des Formulars, endlich stattfinden. Während des Termins schlägt der Kunde vor, sein Werk im nur 30 Kilometer entfernten Bratislava zu besichtigen. Dies ist allerdings nicht möglich. Für die Dienstreise in die Slowakei muss eine neue A1-Bescheinigung beantragt werden und auch hier würden erneut rund drei Tage Wartezeit anfallen. Die A1-Bescheinigung behindert somit kurzfristige Dienstreisen innerhalb der EU, ein EU-Grundrecht, die Arbeitnehmerfreizügigkeit wird so ungewollt eingeschränkt.

Dies ist nur ein Beispiel aus der unternehmerischen Praxis. Doch bei Betrachtung der BVMW-Bürokratieumfrage wird deutlich, dass der deutsche Mittelstand unter dem bürokratischen Aufwand bei Entsendungen leidet. Zitat: „Wenn in Zukunft fast jeder dienstliche Auslandsaufenthalt (Dienstreisen, Seminarteilnahmen, Trainings) eine umfangreiche Bürokratie auslöst, ist das eine massive Behinderung der grenzüberschreitenden Tätigkeit und der Freizügigkeit in der Europäischen Union.“

Der Mittelstand ist bereits abseits dieser Regelung bis zum Äußersten durch Bürokratie belastet. Lagen die Kosten laut Statistischem Bundesamt 2017 bei 45 Milliarden Euro, erreichte die Belastung 2018 bereits über 50 Milliarden Euro. Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Das Problem: Die Umsetzung

Bei aller berechtigten Kritik an der A1-Bescheinigung, muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Entsendungen sich nicht durch die EU-Richtlinie in das Bürokratiemonster gewandelt haben, das es heute darstellt, sondern durch die praktische Umsetzung der Mitgliedsstaaten.

Nach Auffassung der Bundesregierung kann bei kurzfristigen und kurzzeitigen Entsendungen häufig von der vorherigen Beantragung abgesehen werden. Jedoch wird auch darauf hingewiesen, dass die Besonderheiten des nationalen Rechts, insbesondere in Frankreich und Österreich, beachtet werden müssen. In diesen beiden Mitgliedsstaaten ist es für Dienstreisende verpflichtend, selbst bei kurzfristigen, eintägigen Dienstreisen oder Entsendungen ins Ausland eine A1-Bescheinigung einzuholen und mit sich zu führen.

Hier zeigen sich die Probleme in der Umsetzung der A1-Bescheinigung. Die einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten legen die entsprechende EU-Richtlinie unterschiedlich aus. Für Deutschland wäre bei kurzfristigen Entsendungen keine Bescheinigung fällig. In Österreich und Frankreich hingegen, werden an Flughäfen, auf Messegeländen oder in Hotels gezielt Dienstreisende zu der A1-Bescheinigung überprüft. Kann eine solche nicht vorgelegt werden, drohen empfindliche Bußgelder im fünfstelligen Bereich oder die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen vor Ort. Somit ist die uneinheitliche Umsetzung der Richtlinie das eigentliche Problem. Hier ist eine Harmonisierung innerhalb der Europäischen Union vonnöten.

Für einen starken Mittelstand – das muss sich ändern

Es wird deutlich welche Probleme sich für den Mittelstand durch die A1-Bescheinigung stellen. Deshalb fordert der BVMW den Verzicht auf eine Vorlagepflicht der A1-Bescheinigung bei Entsendungen ins europäische Ausland unter 7 Tagen. Des Weiteren sollen die vorgesehenen Minimalstandards der Entsenderichtlinie umgesetzt werden. Von zusätzlichen Verschärfungen an dieser Stelle muss im Interesse eines offenen und geeinten Europas abgesehen werden. Von zentraler Bedeutung ist die Harmonisierung der unterschiedlichen nationalstaatlichen Umsetzungen. Ausnahmefälle wie Frankreich und Österreich dürfen unter einheitlichem europäischem Recht nicht geduldet werden. 

Wie wird es weitergehen?

Abhilfe ist in Sicht. Beim Sozialgipfel der EU-Kommission, des EU-Parlament und des Rates zu Beginn des Jahres wurde sich auf eine Reform der Entsenderegelung geeinigt. Man möchte eine Vereinfachung bei kurzfristigen Dienstreisen herbeiführen. Hierfür soll die Pflicht, eine A1-Bescheinigung mit sich zu führen, abgeschafft werden. Unklar ist allerdings noch, was unter einer Dienstreise verstanden wird. Eine abschließende Entscheidung ist noch nicht gefallen. Es ist für die Wirtschaft jedoch wünschenswert, dass sich das neue EU-Parlament schnell diesem Problem annimmt.

Die Vorteile einer Vereinfachung der Entsenderegelung für die kleinen und mittleren Unternehmen, die im Bürokratiechaos versinken, sind nicht von der Hand zu weisen. Deshalb muss nun die Politik mit Nachdruck auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Nur so ist eine schnelle Lösung, die den Mittelstand entlastet, zu erzielen. Dafür setzt sich der BVMW ein.

 

 


2. Stimmen aus Praxis und Politik

Dr. Ute Bergner
Geschäftsführende Gesellschafterin der VACOM Vakuum Komponenten & Messtechnik GmbH

1. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit der A1-Bescheinigung gemacht?
Neben dem bürokratischen Aufwand ist es aufgrund der Bearbeitungszeiten unmöglich, kurzfristig Kunden zu besuchen oder z. B. auch dringende Serviceleistungen zur Instandsetzung von Maschinen und Anlagen auszuführen. Das führt zum Vertrauensverlust bei Geschäftspartnern, hohen Kosten und Wettbewerbsnachteilen. Damit wird die Freizügigkeit und Zusammenarbeit in der EU massiv eingeschränkt.

2. Was ist für Sie das größte Ärgernis bei der Beantragung einer A1-Bescheinigung?
Die Beantragung der A1-Bescheinigung verursacht einen immensen bürokratischen Aufwand.  Um die Anforderungen bei 300 Mitarbeitern zu erfüllen, müssen wir einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen. Das versursacht Kosten, die keinen Nutzen erzeugen.

3. Wie lautet Ihre drängendste Forderung an die Bundesregierung in Bezug auf die A1-Bescheinigung?
Geschäftsreisen von der Beantragung der A1 zu befreien und Dienstreisen zur Ausführung von Serviceleistungen bis zu 14 Tagen analog zu behandeln sowie die Strafandrohung vorerst auszusetzen. Es sollte ein unbürokratischer Weg zum Nachweis der Sozialversicherung z. B. auf den Krankenversicherungskarten gefunden werden.

 

Randolph Maurer
Geschäftsführer der imb: Troschke GmbH & Co. KG Messearchitektur & Messemanagement

1. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit der A1-Bescheinigung gemacht?
Die A1 Bescheinigungen bedeuten zusätzlichen Zeit- und Verwaltungsaufwand. Mit der Möglichkeit der digitalen Beantragung seit dem Jahr 2019 wurde zumindest die Bearbeitungszeit auf einen Tag reduziert was eine zwingende Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit der Unternehmen ist.

2. Was ist für Sie das größte Ärgernis bei der Beantragung einer A1-Bescheinigung?
Dass für jede einzelne Tätigkeit jedes Mitarbeiters, auch bei einem Aufenthalt für wenige Stunden, eine neue Bescheinigung beantragt werden muss, ist eine immense Belastung für den Mittelstand. Dies ist zusätzlich mit einer Vielzahl an Eintragungen verbunden, die teilweise nicht mit der Datenschutzgrundverordnung konform gehen.

3. Wie lautet Ihre drängendste Forderung an die Bundesregierung in Bezug auf die A1-Bescheinigung? 
Der Begriff der „Geschäfts- bzw. Dienstreise“ muss definiert werden. Bis zu einer bestimmten Dauer,  z.B. 5 Tage,  sollte auf eine A1 Bescheinigung bei Dienstreisen verzichtet werden. Zudem müsste es möglich sein, mehrere geplante Auslandsdienstreisen mit einer einzigen Beantragung zu bearbeiten.


 

Übersicht DOKUMENTATIONSPFLICHTEN BEI ENTSENDUNG (A1-BESCHEINIGUNG)
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3. Hier kann die Dienstreise zur Kostenfalle werden (A1-Bescheinigung)

Der Aufwand für die Beantragung der sogenannten A1-Bescheinigung ist enorm. Schaut man sich die möglichen Strafen an, ist eine Beantragung jedoch dringend zu empfehlen. Wir haben für Sie die Melde- und Vorlagepflichten bei Entsendungen ins EU-Ausland zusammengefasst.

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