Finanzierung

Die Finanzierung mittelständischer Unternehmen durch Banken und Finanzinstitute ist ein Dauerthema. Seit Jahren werden Finanzierungsmöglichkeiten schwieriger. Gerade vor dem Hintergrund sich wandelnder Finanzmärkte müssen bekannte Fördermöglichkeiten auf den Prüfstand, um insbesondere kleineren Firmen innovative Finanzierungen zu erschließen.  

Finanzierung

1. Unternehmertum, Gründerkultur und Finanzierung

Man stelle sich vor: es gäbe diese eine Idee, mit der man sich seit längerem beschäftigt, tage- und nächtelang trägt man sie mit sich herum, führt Gespräche mit Freunden, überlegt, rechnet nach. Schließlich ist man überzeugt: Das könnte jemand brauchen. Das könnte ich entwickeln und produzieren. Was fehlt, ist allerdings das nötige Kapital, um die Idee umzusetzen und das neue Produkt oder die Firma zu finanzieren.

Dieses benötigte Startkapital ist zunächst eine imaginäre, abstrakte Zahl. Sie beziffern zu können, ist jedoch die erste Voraussetzung bei der Erstellung eines Finanzierungsplans. Nur wer weiß, wieviel er benötigt, kann sich über Finanzierungsquellen sinnvolle Gedanken machen. Einen Finanzplan detailliert aufzustellen, erfordert viel Zeit. Gerade in den ersten Monaten muss die Zahlungsfähigkeit sichergestellt werden, bis das Unternehmen angelaufen ist und das erste Geld verdient wird. Darüber hinaus ist eine Marktanalyse unerlässlich, um die Zielgruppen und ihre Kaufkraft zu identifizieren. Auch eine Wettbewerberanalyse ist fester Bestandteil der Vorbereitung. Denn es hilft nicht, wenn das Produkt innovativ und hochwertig ist und gleichzeitig eine zahlungswillige Käufergruppe existiert, die Konkurrenz jedoch schneller und preiswerter liefert. Ohne eine detaillierte und auch aussichtsreiche Planung, die ebenfalls die Erwartungen und Reaktionen möglicher Gesellschafter und Gläubiger berücksichtigt, lässt sich kein Unternehmen steuern.

Der deutsche Mittelstand geht in weiten Teilen auf Menschen zurück, die das beschriebene Prozedere zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Karriere durchlaufen haben. Diese Menschen haben den deutschen Unternehmergeist verinnerlicht und leben ihn Tag für Tag, und indem sie ihre Ideen in die Tat umsetzen, treiben sie den Wohlstand im Lande voran. Was die Finanzierung betrifft, gilt grundsätzlich das Credo „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

2. Der Weg zur Bank

Bei der Finanzierung denkt man gerne als erstes an Banken und Finanzinstitute. In Frage kommen dabei in erster Linie Privatbanken, öffentlich-rechtliche Kreditinstitute und Genossenschaftsbanken.

Vor dem Hintergrund einer schwierigen Zinssituation und globalen Finanzkrisen in unsicheren Zeiten sitzt das Geld der Banken jedoch lange nicht mehr so locker wie einst. Erst seit der medialen Überwindung der Euro Finanzkrise sind Banken finanziell wieder relativ gut aufgestellt. Da momentan kein jäher Zusammenbruch Europas auf der Agenda steht und Deutschland – relativ gesehen - finanziell gut aufgestellt ist, sollten sich die Kredithäuser auch wieder ihrer originären Aufgabe, nämlich der Kreditvergabe, widmen. Die Banken sind grundsätzlich im Stande, gewaltige Summen zu vergeben, und auch  gewillt, dies zu tun. Dennoch haben insbesondere kleine Unternehmen oftmals große Schwierigkeiten mit der Bankenfinanzierung. Dies gründet u.a. in der Erfahrung, dass in Krisenzeiten Fremdkapital deutlich schwerer zu erhalten und an Bonitätsnachweise und sonstige Auflagen gebunden war. In der Folge stärkten mittelständische Unternehmen ihre Eigenkapitalanteile um ein Vielfaches und benötigten dementsprechend gar keine Bankenkredite – oder sahen sich nach Alternativen um.

Gleichzeitig sind Banken oft wenig daran interessiert, sich mit jungen Start-Ups zu befassen, da statistisch weniger als neun von zehn Unternehmen das erste Jahr nach Gründung überleben. Dabei sind gerade sie im Stande, mit herkömmlichen Denkmustern zu brechen und über einen maßgeschneiderten Kredit Innovationen auf den Weg zu bringen. Vor dem Hintergrund einer ungünstigen Ausgangssituation sind Investitionen in Innovationen stets  rückläufig, was verheerende Konsequenzen für die Zukunft mit sich bringt. Auch der viel diskutierte und insbesondere im Mittelstand hoch akute Fachkräftemangel behindert eine starke, innovationsgetriebene Entwicklung, wie sie zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland unabdingbar ist. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wäre es bereits, Kreditlaufzeiten für Start-Ups spürbar länger anzusetzen, um die Zeit, bis ein junges Unternehmen schwarze Zahlen schreibt, finanziell sicher zu überbrücken.

Nebulöse Vergaberichtlinien, unzureichende Informationen, nicht nachvollziehbare Begründungen und gesetzliche Bestimmungen zum Mindesteigenkapitalanteil gehören zu den dringend verbesserungswürdigen Faktoren der Kreditvergabe. Hier bestehen für Kreditgeber gleichermaßen großer Handlungsbedarf, wie auch enorme Chancen. Verlorenes Vertrauen in die Banken will zurückgewonnen werden und bedarf eines aktiven Engagements. Ein erster Schritt wäre es, bankseitig die Sicherheiten mitzuliefern, damit Unternehmer sich auch in Krisenzeiten auf sie verlassen können.

Ebenso wichtig ist es, dass eine positive Bonitätsbewertung seitens potentieller Geschäftspartner oder Kunden als Zeichen der Zuverlässigkeit verstanden wird. Nach wie vor schadet es nicht, beim Finanzieren auf Darlehen zu setzen und Kredite einer Bank in Anspruch zu nehmen. Banken warten mit unterschiedlichen Konditionen für Raten und Laufzeit, gewünschten Sicherheiten oder der Höhe des Eigenkapitalanteil auf – ein entsprechender Vergleich ist dabei ebenso lohnenswert wie eine dezidierte Vorbereitung auf das Bankgespräch.

Ein mittelständischer Unternehmer ist es gewohnt und willens, auf eigenen Füßen zu stehen und vermeidet nach Möglichkeit jegliche Formen der Abhängigkeit. Erscheint bei einer zunächst rein theoretischen Abwägung die Abhängigkeit zu groß, selbst bei vergleichsweise niedrigen Zinsen, werden notwendige Investitionen vorübergehend auf Eis gelegt oder der Unternehmer investiert sogar aus seinem Privatvermögen. Ohne ein ausreichendes finanzielles Polster kann jedoch eine Wettbewerbsfähigkeit nicht gewährleistet werden – so ist beispielsweise die rechtzeitige Investition in die Digitalisierung für viele Unternehmen entscheidend, ob sie zukünftig überhaupt noch existieren oder nicht.

3. Alternative Fördermöglichkeiten ausloten

Wer sich von derartigen Auflagen frei machen möchte, kann aber auch andere Konzepte in Betracht ziehen. So sind zum Beispiel flexible Finanzierungsalternativen ein Dauerbrenner. Leasing für Firmenwagen, Factoring oder Finetrading (ein beliebtes Konzept, um über Drittanbieter sofort Geld für geleistete Dienste oder bereitgestellte Waren zu erhalten) oder öffentliche Fördermittel sind Ansätze einer bankenunabhängigeren Unternehmensfinanzierung. Eigenkapital, soweit in ausreichendem Maße vorhanden, ist selbstredend eine sehr gute  Option, ohne sich in eine Abhängigkeit zu begeben. Dies ist allerdings nur in wenigen Fällen  vorhanden. Vermögende Einzelpersonen, so genannte Business Angels, die eine Geschäftsidee aus unterschiedlichen Gründen unterstützen und in diese investieren möchten, bilden ebenso eine Variante der Finanzierung individuell als besonders unterstützenswert empfundener Geschäftsideen.

Für kleinere Unternehmen könnten auch Bürgschaften oder Crowdfunding- Kampagnen interessant sein. Gerade letztere fungieren bei vielen Start-Ups als initiale Zündung auf Portalen wie Kickstarter oder Startnext. Kommt die Unternehmensidee bei den Nutzern gut an, zeigt diese Finanzierungsart enorme Erfolge. Auf diesem Weg lässt sich zudem ein größerer, oft international zusammengesetzter Personenkreis erreichen, überzeugen und zum Kauf animieren. Nicht nur lässt sich somit vorab die Finanzierung sicherstellen, sondern wird durch den viralen Multiplikator Effekt ein Bedarf an dem zu produzierenden Produkt oder den anzubietenden Dienstleistungen geweckt und promotet. Bei der Schwarmfinanzierung kann bereits durch einen geringen Beitrag einzelner Teilnehmer im einstelligen Eurobereich ein großer Gesamtbetrag in Millionenhöhe zusammenkommen. Dazu benötigt es lediglich einer ausgeklügelten Präsentation der Idee im Internet unter Vorgabe einer Zielsumme, die erreicht werden soll. In Kunden umgewandelte Interessenten können nicht nur identifiziert und in das Finanzieren eingebunden werden, sondern geben im laufenden Promotion Prozess auch umfassendes Feedback zum Produkt und helfen damit, das Ergebnis zu optimieren. Zum Dank können sie durch kleine exklusive Give aways, Erstzugriffsreche auf das Produkt oder sonstige limitierte Angebote an das Start-Up gebunden werden.

Wird das herkömmliche Repertoire der Kredite um alternative neue Finanzierungskonzepte erweitert, so erhöht dies die Flexibilität für angehende, aber auch für bereits etablierte Unternehmen. Die ursprünglichen Finanzierungsinstrumente können dann überdies an neue Anforderungen angepasst werden. Oft müssen einfach passgenaue, individuelle Lösungen gefunden werden, die mit den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens übereingehen.

4. Fazit

Auf welche Weise ein Unternehmer seine Firma finanzieren möchte, verbleibt in seinem persönlichen Ermessen. Wichtig ist und bleibt die realistische Einschätzung, ob die abgesteckten Ziele mit dem gewählten Finanzierungsmittel erreichbar sind. Durch moderatere Zinsen und Kredit–Laufzeiten unter transparenten Konditionen und mit Hilfe geeigneter Beratung könnten Banken das verlorene Vertrauen wiedergewinnen. Sobald sich das Verhältnis von Unternehmen und Banken, die sich zweifelsfrei gegenseitig brauchen, wieder verbessert, lassen sich Projekte, Auslandsgeschäfte und Innovationen in den Unternehmen finanzieren, um Umsatzerhöhung und Wirtschaftswachstum zu generieren. Darlehenszusagen müssen allerdings auch dann gewährleistet werden, wenn internationale Handelskriege, unberechenbare Staatsoberhäupter oder der EU Austritt eines wichtigen Mitgliedsstaates das unternehmerische Handeln sowie die Finanzierungsoptionen auf die Probe stellen.

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