INTERVIEW: „Erfolgreicher Einbruch- und Brandschutz sind messbar.“

Sicherheit ist für Unternehmen wichtiger denn je und beginnt bereits beim Objektschutz. Was Mittelständler beachten sollten, wo Schwachpunkte liegen und was gute Sicherheitsberater ausmacht, erläutern die Experten Michael Lautner und Simone Brühl.

brandschutzutensilien in sicherheitskasten

Herr Lautner, das Thema Sicherheit ist aktueller denn je. Kann man hier von einem kontinuierlichen Wachstum dieser Branche sprechen?

Michael Lautner: Das ist richtig. In puncto Sicherheit legt Deutschland immer mehr nach. Laut einer von Protection One beauftragten Webstudie des Marktforschungsinstitutes INNOFACT AG ist die Angst vor Überfällen und Einbrüchen omnipräsent. Ein jährlicher Umsatz von 8 Milliarden Euro durch Wach- und Sicherheitsunternehmen in Deutschland sprechen für sich. Auch der immense Zuwachs von Beschäftigten in den letzten Jahren macht dies deutlich. Wir müssen uns aber auch immer wieder neuen Herausforderungen stellen: Durch die aktuell hohe Aktivität von Rohstoffdieben beispielsweise müssen für Baustellen und Recyclinghöfe innovative Sicherheitstechnologien her. Außerdem häufen sich Cyberangriffe – letztlich müssen daher insbesondere auch die Serverräume von Unternehmen gesichert werden.

Welche Merkmale sprechen für Qualität in der Sicherheitsbranche?

Michael Lautner: Erfolgreicher Einbruchschutz ist durchaus messbar: Ich empfehle, darauf zu achten, wie sehr der Dienstleister auf die Kundenwünsche eingeht. Hat er nur eine Lösung parat, die für alle Kunden gelten soll? Oder geht er umfassend auf die jeweiligen Anliegen ein? Arbeitet er konzeptionell? Erfüllt er die neuesten Normen und kann er Zertifikate vorweisen? Protection One wurde beispielsweise gerade erst vom VdS in den Bereichen Datenschutz und Informationssicherheit zertifiziert.

Welche Ratschläge haben Sie für Unternehmer zum Thema Sicherheit?

Michael Lautner: Man sollte sich unbedingt ausreichend Zeit nehmen und sich umfassend beraten lassen. Jedes Objekt ist anders, daher ist es wertvoll und wichtig, dass das Gebäude genauestens auf Sicherheitslücken überprüft und nichts übersehen wird. Sollten nicht umzäunte Außenbereiche ebenfalls detektiert werden? Ist eine Kombination von Einbruch- und Brandschutz sinnvoll? Die Kunden sollen sich einzig und allein um ihr Business kümmern müssen – alles zum Thema Sicherheit liegt dann in unseren Händen. So hat es sich in der Vergangenheit bewährt, die speziellen Anforderungen eines Unternehmens mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Machbarkeiten mit dem Unternehmer und den relevanten Personen abzustimmen. Der Unternehmer erhält im Anschluss an diese Beratung einen Leitfaden mit Prioritätenfestlegung als Entscheidungsgrundlage für sein weiteres Vorgehen. Eventuell kann diese Beratung sogar vom Staat gefördert werden.

Frau Brühl, wo sind aus Ihrer Sicht die „Schwachpunkte“ bei mittelständischen Unternehmen?

Simone Brühl: Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass ein großes Manko die Nicht-Umsetzung der rechtlichen Auflagen unter anderem beim Brandschutz und eine fehlende nachvollziehbare Dokumentation sind. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. So fehlt innerbetrieblich das Fachwissen, das Tagesgeschäft geht vor oder man hat mit externen Beratern schlechte Erfahrungen gemacht und möchte Geld sparen. Das ist nicht immer die beste Entscheidung, da empfindliche Strafen drohen. Auch wackeln Zertifikate wie DIN ISO 9001, 45001, 14001 oder es erfolgt ein Zurückstufen vom A- zum C-Lieferanten, was für Unternehmen Umsatzeinbußen und Imageverluste bedeuten. Man sollte meiner Meinung nach dem Wettbewerber nicht unnötige Angriffsflächen bieten. Nicht jedes Unternehmen erholt sich beispielsweise von einem Brand.

Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Simone Brühl: Nehmen wir mal an, der Unternehmer möchte in seiner Tiefgarage Parkplätze für Elektrofahrzeuge mit entsprechender Lademöglichkeit schaffen. Eine feine Sache. Nur muss im Vorfeld, bevor die Anlagen in Betrieb gehen und die Fahrzeuge ihren Platz zugewiesen bekommen, einiges bedacht werden. So zeigt die Erfahrung, dass E-Ladestationen in den Tiefgaragen am besten in der Nähe des jeweiligen Eingangsbereiches montiert werden, sodass bei einem E-Auto-Brand die Wärmeentwicklung besser entweichen kann und die Feuerwehr das Fahrzeug schneller löschen und entfernen kann. Denn keiner möchte einen bis zu drei Tage brennenden Blechhaufen in der Tiefgarage, oder? So muss unter anderem eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden, das Brandschutzkonzept geprüft und ggf. angepasst werden. Die notwendigen Behörden und Versicherungen sind je nach Ausführung der Ladestationen mit einzubinden. Neben den notwendigen Brandschutzunterlagen für die Mitarbeiter und Besucher sind z. B. die Feuerwehrpläne anzupassen. Es ist wichtig, dass Brandschutzunterlagen auf dem aktuellen Stand und die Verantwortlichkeiten und Verhaltensregeln festgelegt sind. Evakuierungsübungen sind regelmäßig durchzuführen und, wenn nötig, die Unterlagen entsprechend anzupassen. Auch ist der technische Brandschutz bzw. die akustische Alarmierung und Sicherheitsbeleuchtung auch bei Stromausfall zu prüfen. Hier sollte es nicht zum Instandhaltungsstau kommen. Baumaßnahmen haben besondere Auflagen. Zum Beispiel müssen für stillgelegte Notausgänge Ausgleichsmaßnahmen geschaffen und die Mitarbeiter darüber informiert werden.

Vielen Dank für das Interview!

 

Die Gesprächspartner

(alle Personen sind Mitglied des BVMW-Expertenkreises Unternehmenssicherheit)


michael lautner

Michael Lautner

 

  • Mitglied des Expertenkreises Unternehmenssicherheit
  • Fachberater für Objektsicherheit, Protection One GmbH
  • www.protectionone.de
simone brühl

Simone Brühl

 

  • Mitglied des Expertenkreises Unternehmenssicherheit
  • Inhaberin enegtech brühl GmbH
  • www.enegtech.de