Carmen Beernaert

Carmen Beernaert

Themen

Unternehmertum
25.03.2026

Carmen Beernaert

Die Managing Director der Kaizen Institute GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Führungskraft zu werden?

Der Startpunkt meiner beruflichen Entwicklung lag bei GE im Technical Leadership Program. Besonders Jack Welch hat mich geprägt –  seine Art, zu inspirieren und Transformation voranzutreiben, hat in mir früh den Wunsch geweckt, selbst eine wirkungsvolle Führungspersönlichkeit zu werden. 

Ich habe schnell erkannt, wie sehr es mir liegt, Menschen zu inspirieren, zu motivieren und in ihrer Entwicklung zu stärken.

Die Möglichkeit, Teams zu führen, Veränderungen aktiv zu gestalten und Innovation voranzubringen, hat mich von Beginn an tief erfüllt – und ich konnte diese Fähigkeiten bei Accenture im globalen Leadership Development Program weiter vertiefen. Diese Erfahrungen prägen bis heute meine Haltung und Wirksamkeit als Führungskraft.

Wenn Sie in die Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg noch einmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Rückblickend würde ich meinen beruflichen Weg genauso wieder gehen. Jeder Schritt – auch Umwege und Herausforderungen – hat mich geprägt und mir wertvolle Einsichten geschenkt.

Ein Gedanke begleitet mich dabei immer wieder: „Umwege erhöhen die Ortskenntnis.“

Denn gerade diese Umwege sind es oft, die uns wachsen lassen und unseren Weg klarer erkennen lassen.

Mit dem Wissen von heute würde ich mir jedoch raten, bewusster Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und diese Momente noch stärker wertzuschätzen.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Zu den prägendsten Entscheidungen meiner beruflichen Laufbahn zählen der Wechsel von einer Linienführungsrolle in die Beratung, die Gründung meines eigenen Unternehmens und der Aufbau einer strategischen Partnerschaft mit dem Kaizen Institute.

Diese Schritte haben mir gezeigt, wie wichtig Agilität, Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit in der Führung sind – insbesondere in unterschiedlichen Unternehmenskulturen, ohne die eigenen Werte aus dem Blick zu verlieren. Und dass sie nur in Verbindung mit Empathie und Respekt für die Werte der Teams ihre volle Wirkung entfalten.

Während meiner Ausbildung „Executive Coach Certificate“ am INSEAD lernte ich das Modell People – Role – Organisation kennen. Es hat mir eindrucksvoll vor Augen geführt, wie wesentlich das Zusammenspiel von Mensch, Rolle und Organisation für wirksame, nachhaltige Führung ist. 

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Die größte Herausforderung meines Lebens war der Tod meines Mannes – eine Zeit, die sich zusätzlich mit dem Beginn der Coronapandemie überschnitt, zu dem Zeitpunkt, als ich eine neue Führungsrolle und ein neues Team übernommen hatte. Diese Phase hat mich tief geprägt.

Ich habe erkannt, wie essenziell es ist, Hilfe anzunehmen. Ebenso wichtig ist es, nicht gegen Widerstand anzukämpfen, sondern mit ihm zu arbeiten. Und vor allem habe ich verstanden, wie wertvoll es ist, mir selbst mit Geduld und Freundlichkeit zu begegnen.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Derzeit widme ich mich moderner Führung und unterstütze Organisationen, Teams und Führungskräfte dabei, ihren Führungsstil weiterzuentwickeln und die Kompetenzen zu stärken, die notwendig sind, um in einer VUCA‑Welt fundierte Entscheidungen zu treffen und handlungsfähig zu bleiben.

Ein zentraler Bestandteil wirksamer Führung ist für mich eine gesunde Fehlerkultur – die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und Weiterentwicklung als gemeinsamen Prozess zu verstehen.

Mein Fokus liegt darauf, Arbeitsumfelder zu schaffen, die Sicherheit, Resilienz und Handlungskraft fördern – auch in anspruchsvollen Zeiten. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der generationenübergreifenden Zusammenarbeit.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Mich motiviert besonders zu sehen, dass meine Arbeit konkrete, positive Wirkung entfaltet – sowohl auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Teams und Führungskräfte als auch auf die daraus resultierenden positiven geschäftlichen Ergebnisse.

Zu erleben, wie Führungskräfte authentischer, klarer und wirksamer agieren und sich dadurch die Zusammenarbeit und Ergebnisse verbessern, erfüllt mich mit großer Zufriedenheit und bestärkt mich auf meinem Weg.

Besonders inspirierend ist für mich der Austausch mit Studierenden und jungen Berufstätigen – jedes Mal, wenn ich an Universitäten lehre oder Vorträge halte, gehe ich mit neuer Energie und großer Freude heraus.

Welche Botschaft möchten Sie Unternehmerinnen und Führungskräften mitgeben?

Fehler sind wertvolle Lernfelder. Entscheidend ist, ihnen mit Mut, Selbstvertrauen und Offenheit für Feedback zu begegnen.

Im Laufe meiner Karriere habe ich erlebt, dass Führungskräfte, die Fehler als Lernchance sehen, nicht nur selbst wachsen, sondern auch ihre Teams dazu inspirieren, innovativ zu denken und erfolgreich zu handeln.

Haben Sie keine Angst, Risiken einzugehen: Jede Erfahrung – ob positiv oder negativ – ist ein Schritt auf dem Weg zu echtem Wachstum und wirksamer Führung.

Gleichzeitig ist es wichtig, entschlossen zu bleiben, neue Ideen voranzutreiben und ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen, das auch in anspruchsvollen Zeiten Halt und Orientierung gibt.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?

Wir fördern Female Empowerment durch eine inklusive Unternehmenskultur, gezielte Führungs‑ und Entwicklungsprogramme sowie transparente Karriere‑ und Beförderungsprozesse.

Wir stärken psychologische Sicherheit, sensibilisieren für unbewusste Vorurteile und schaffen Räume, in denen vielfältige Perspektiven sichtbar und wirksam werden.

Außerdem ist es mir ein persönliches Anliegen, Frauen zu mentorieren, zu begleiten und sichtbar zu machen. Durch Role‑Modeling, Peer‑Netzwerke und strukturiertes Mentoring fördern wir Selbstwirksamkeit, Präsenz und Entscheidungsstärke. Z. B. habe ich unsere jüngste weibliche Junior‑Consultant bewusst an meine Seite auf die Bühne einer Fachkonferenz geholt, um unser Team zu vertreten – ein sichtbares Signal für Vertrauen, Empowerment und Sichtbarkeit.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen ...

Für mich beginnt Female Empowerment mit der inneren Haltung: Frauen sollten sich nicht primär als benachteiligt verstehen, sondern selbstbewusst auf Augenhöhe auftreten. Gleichzeitig braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, die Unternehmensgründungen und nachhaltiges Wachstum ermöglichen – insbesondere für KMU, in denen viele Unternehmerinnen tätig sind.

Ergänzend dazu spielen Netzwerke, Mentoring und sichtbare Vorbilder eine entscheidende Rolle für Resilienz, Selbstvertrauen und Wirksamkeit.

Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

Der Begriff Work‑Life‑Balance greift für mich zu kurz. Arbeit und Leben sind für mich keine Gegensätze – viele Aspekte meiner Arbeit geben mir Energie.

Ausgleich finde ich in einfachen, wirkungsvollen Ritualen: Spaziergänge in der Natur mit meinem Dackel Anton sowie der Austausch mit Familie und Freunden. Beides gibt mir Kraft und einen ehrlichen, wertschätzenden Spiegel.

Was macht Sie zu einer guten Chefin?

Aus Sicht meiner Mitarbeitenden ist meine Führung geprägt von Klarheit, Priorisierung und gezieltem Empowerment. Ich verstehe mich weniger als klassische Vorgesetzte, sondern als begleitende Führungspersönlichkeit mit Coaching‑Ansatz.

Ziel ist es, Menschen zu empowern Verantwortung zu übernehmen, eigene Lösungen zu finden und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Konstruktives Feedback, Vertrauen und psychologische Sicherheit bilden die Grundlage dafür.

Ein guter Tag beginnt für mich mit…

… einem guten Gespräch mit einem engen Freund, einem kurzen Spaziergang mit meinem Dackel Anton und einem ruhigen Frühstück. Diese Routine ermöglicht einen Start in den Tag ohne Hektik und schafft Klarheit und innere Balance – grundlegend für fokussierte und wirksame Führung.

Wer war Ihre wichtigste Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit/zur Führungskraft? 

Mein verstorbener Mann hat mein Führungsverständnis maßgeblich geprägt. Seine Ruhe, sein Vertrauen und die Freiheit, die er mir ließ, haben mir geholfen, innere Stabilität und Resilienz zu entwickeln. Diese Stärke trägt mich bis heute und ermöglicht mir, mit Klarheit, Zuversicht und Verantwortung meinen Weg weiterzugehen.

Am meisten begeistert mich an meinem Beruf…

… die Arbeit mit Menschen. Besonders erfüllend ist es, Teams zu entwickeln, individuelles Wachstum zu begleiten und Erfolge gemeinsam zu erreichen. Gemeinsam Herausforderungen zu meistern und den entstandenen Erfolgsmoment und die Freude zu teilen, ist für mich einer der stärksten Motivatoren.

Infos zur Person

Carmen Beernaert

Infos zum Unternehmen

Kaizen Institute GmbH
https://www.kaizen.com/de

  • Gründungsjahr: 1985
  • Branche: Management Consulting
  • Firmensitz: Obertshausen
  • Mitarbeitende: 600

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