Starken Frauen im Mittelstand: Erleben Sie die spannenden Geschichten weiblicher Talente aus dem Netzwerk des BVMW.
Frau Winkelmann Businessfotografie & Film
Die Partnerin von HUNTING/HER HR-Partners im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?
Ich habe früh Führungsverantwortung übernommen und viele Jahre in internationalen Unternehmen sowie im deutschen Mittelstand gearbeitet. Parallel dazu engagiere ich mich seit über 20 Jahren bei Zonta International – einem weltweiten Netzwerk berufstätiger Frauen, das sich für Gleichstellung und die Förderung von Frauen in Führungspositionen einsetzt.
Bereits vor rund zehn Jahren habe ich mich gemeinsam mit meinem Mann erstmals selbstständig gemacht. Auch wenn wir dieses Unternehmen infolge der Coronapandemie wieder schließen mussten, war diese Zeit für mich sehr prägend. Ich habe damals gemerkt, wie sehr mir das Unternehmertum liegt: Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Dinge aktiv zu gestalten.
Der Schritt in die Partnerschaft bei HUNTING/HER und in die Spezialisierung auf Female Executive Search war für mich daher eine konsequente Weiterentwicklung – fachlich wie persönlich.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?
Ja. Vielleicht mit etwas mehr Gelassenheit an der ein oder anderen Stelle. Aber in der Sache ganz klar: Jede Station – auch die herausfordernden – hat mich geprägt und mir genau die Perspektive gegeben, die ich heute habe.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Mich klar zu positionieren – und den Mut zu haben, eigene Ideen umzusetzen. Die Gründung der Plattform 2030.Network, um frauen(mit)geführte Unternehmen sichtbarer zu machen, war für mich ein entscheidender Schritt. Auch wenn sie kommerziell nicht erfolgreich war, hat sie mir inhaltlich den Weg gewiesen: Sie hat mich zu HUNTING/HER geführt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass nicht jeder unternehmerische Schritt finanziell aufgehen muss, um genau richtig zu sein.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
Geduld. Veränderung – insbesondere kulturelle und strukturelle – braucht Zeit. Gerade im Kontext von Diversität und Führung musste ich lernen, dass Überzeugungsarbeit ein Marathon ist, kein Sprint.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Mit der Frage, wie Unternehmen den Zugang zum gesamten Talentmarkt wirklich öffnen – und wie Frauen gleichzeitig lernen, ihre Karriere strategischer zu steuern, sichtbarer zu werden und Verantwortung selbstbewusst einzufordern.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Besondere Wertschätzung erfahre ich, wenn Unternehmen durch unsere Arbeit eine exzellente Führungsfrau gewinnen – und wenn hochqualifizierte Kandidatinnen Zugang zu Positionen erhalten, die für sie sonst kaum sichtbar gewesen wären. Viele dieser Frauen werden im Markt nicht aktiv gesucht oder gefunden. Umso erfüllender ist es, wenn durch unsere gezielte Ansprache beide Seiten zueinanderfinden und langfristig profitieren.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?
Warten Sie nicht darauf, „bereit genug“ zu sein. Sichtbarkeit, Verantwortung und Einfluss entstehen nicht durch Perfektion, sondern durch Haltung, Klarheit und den Mut, Chancen zu ergreifen.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?
Indem wir weibliche Talente aktiv identifizieren, fördern und begleiten – und gleichzeitig mit Unternehmen daran arbeiten, Auswahlprozesse fairer, strukturierter und vorurteilsfreier zu gestalten. Female Empowerment bedeutet für mich immer beides: individuelle Stärkung und strukturelle Veränderung.
Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen ...
… verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere einen deutlichen Ausbau von Kitaplätzen sowie Ganztagsbetreuung und Ganztagsschulen. Ohne funktionierende Betreuung lassen sich unternehmerische Verantwortung und Familie kaum nachhaltig vereinbaren.
Darüber hinaus erwarte ich, dass staatliche Unternehmen und Behörden stärker als Vorbild agieren und gemischte Führungsteams konsequent umsetzen. Gerade hier ist der Frauenanteil in Führungspositionen noch immer zu niedrig.
Welches Buch empfehlen Sie angehenden Unternehmerinnen/Führungskräften?
Ich empfehle Machtgebiete von Bettina Weiguny, Christina Sontheim-Leven und Anna-Sophie Herken. Das Buch versammelt die Erfahrungen von rund 50 Top-Managerinnen und zeigt ganz konkret, wie Macht, Einfluss und Karrierewege in der Praxis funktionieren. Ich durfte selbst meine Erfahrungen beitragen – und halte das Buch für besonders wertvoll, weil es ehrlich, realistisch und zugleich ermutigend ist.
Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?
Über 70 % der Stellen werden über Netzwerke besetzt – allein deshalb sind sie für den nächsten Karriereschritt entscheidend. Darüber hinaus bieten Netzwerke Austausch, Sichtbarkeit und gegenseitige Unterstützung.
Für Frauen empfehle ich ausdrücklich Frauennetzwerke. Mein eigenes Engagement seit über 20 Jahren bei Zonta International zeigt mir immer wieder, wie wertvoll vertrauensvolle Netzwerke sind – fachlich, persönlich und emotional. Sie stärken, verbinden und geben Rückenwind.
Gleichzeitig ist es wichtig, sich bewusst Zeit für den Aufbau eines nachhaltigen beruflichen Netzwerks zu nehmen. Beides erfüllt unterschiedliche Funktionen – und beides ist wertvoll.
Am meisten begeistert mich an meinem Beruf …
… die Kennenlern-Gespräche mit den vielen beeindruckenden und inspirierenden Kandidatinnen, die ich für meine Executive-Search-Mandate treffe. Diese Gespräche geben mir täglich neue Perspektiven, Energie und Zuversicht.
Gibt es eine Frage, die Sie gern einem Politiker oder einer Politikerin stellen würden? Wem würden Sie diese Fragen stellen?
Ja. Studien zeigen seit Jahren, dass gemischte Teams innovativer, nachhaltiger und profitabler sind. In Machtgebiete wird beispielsweise berechnet, dass der deutschen Wirtschaft jährlich rund 372 Mrd. Euro entgehen – unter anderem durch geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen, ungleiche Bezahlung, zu wenige Frauen in Führungspositionen und die daraus resultierende Innovationsschwäche.
Meine Frage an politische Entscheidungsträgerinnen und -träger wäre: Wie können Sie es verantworten, dieses wirtschaftliche Potenzial ungenutzt zu lassen – und was tun Sie konkret, um dieses Wachstum für Deutschland zu realisieren?
Wie stehen Sie zum Thema Gendern?
Es ist inzwischen gut belegt, dass inklusive Sprache positive Auswirkungen hat – etwa auf Mädchen und Frauen und ihre beruflichen Ambitionen. Deshalb befürworte ich gendergerechte Sprache. Wichtig ist mir dabei ein pragmatischer Ansatz: bewusst, respektvoll, aber nicht verbissen.
Fiona Ruff
HUNTING/HER HR-Partners
https://huntingher.com/