Dr. Anke Skopec

Dr. Anke Skopec

Themen

Unternehmertum
12.02.2024

Dr. Anke Skopec

Die Geschäftsführerin der BIFI – Berliner Institut für Innovationsforschung GmbH im Interview für die Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“.

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?

Ich spürte früh das Bedürfnis, meine Idee von einem validen „Pre-Proof of Concept” für Innovationen durch echtes Markt-Feedback überprüfen zu lassen. Der Markt ist die härteste Jury. Wenn jemand bereit ist, Geld für dein Produkt oder deinen Service zu zahlen, dann lagst du richtig. Ich machte die Erfahrung, dass neue Vorschläge in größeren Unternehmen mit ausgeprägter Hierarchie häufig aufgrund machtpolitischer Individualinteressen unterdrückt werden. Zudem hatten viele Menschen viele Meinungen zu meinen Ideen. Diese einer realen Leistungseinschätzung zu unterziehen, schien mir über den direkten Markt das ehrlichste Feedback zu sein.

Damals gründeten wir zu viert. Als ich dann schnell sah, dass die drei anderen das Geschäftsmodell nicht stringent verfolgten, entschloss ich mich, das Ruder selbst zu übernehmen und verantwortete fortan als Geschäftsführung die Zielerreichung des Unternehmens.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Gerade, weil mein Unternehmertum über die Länge der Zeit exponentiell Früchte trägt und unser Team außerordentliche Erfolge verzeichnet, würde ich aus heutiger Sicht immer wieder diesen Weg gehen. Natürlich habe ich auf dem Weg viel gelernt und wäre nun schneller am Ziel. Heute würde ich mich nicht mehr so lange auf andere verlassen, sondern schneller dazu übergehen, meinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und ins Handeln zu kommen. Ich würde schneller meiner Intuition vertrauen, die meine gesammelten Lebenserfahrungen in kürzester Zeit abrufbar macht. Und ich würde mich weniger davon ausbremsen lassen, dass ich noch nicht genug weiß, um Entscheidungen zu treffen oder anderen Ratschläge zu erteilen.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Als ich zur Alleinerziehenden wurde, wurden die Bedingungen meines beruflichen und privaten Lebens stark verändert – nennen wir es „gestrafft”. Plötzlich konnte ich täglich nur eine geringe Zahl an Stunden arbeiten, weil die Kita nicht einmal 8 Stunden geöffnet hatte. Kunden wollten persönlich besucht werden und so schaffte ich an manchen Tagen nur zwei Vertriebstermine. Auch die private finanzielle Lage ist mit der plötzlichen Alleinverantwortung für ein großes Haus und drei kleine Kinder sprunghaft enger geworden. Und so durfte ich keine Zeit verschwenden und musste schnell hohe Umsätze akquirieren. Dies führte zu einer neuen Einstellung, mit der ich in diese Termine hineinging. Ich war viel direkter und fokussierter. Es ging nicht mehr um eine gute Beziehung und „gemocht zu werden”, sondern um direkte Umsatzgenerierung. Seit diesem Tag gelingen mir fast alle gewünschten Geschäftsabschlüsse. Offenbar hatte mir die neue Lebenssituation und meine folgliche Einstellungsänderung zu mehr Zielorientierung einen neuen Wirkungsgrad verliehen. Deshalb rate ich anderen Unternehmer:innen: größeres Risiko führt zu größeren Erfolgen. Zu viel Gemütlichkeit hingegen kann innovatives Handeln bremsen.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Als ich mit 25 Jahren mit Entscheidern (ja, es waren alles Männer) sprach, war klar spürbar, dass ich nicht ernst genommen wurde. Sie lauschten meinen fachlichen Begründungen der Methodenauswahl für ihre psychologische Forschungsstudie – und oft wurden diese am Ende grundlos abgetan. Ihr Urteilsvermögen war von Stereotypen beeinträchtigt. Es formte sich in mir der Gedanke, dass ein Doktortitel die Lage wenden konnte, weil dieser die nicht erkannte Kompetenz ins Sichtbare zog. Die Dissertation hatte ich bereits begonnen, doch die Vierfachbelastung von Gründung, Schwangerschaft, Geldverdienen und Doktorarbeit wurde bald zur Zerreißprobe. An diesem Punkt hielt ich nur noch durch, um mit dem Titel auf Augenhöhe mit „meinen” Entscheidern zu sprechen. Und siehe da: es hat funktioniert! Titel und Erfolgsnachweise helfen, um Juniorigkeit und Weiblichkeit nicht als stereotype Kompetenznachteile wirken zu lassen.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Vor einigen Monaten gründeten wir das Netzwerk „GAIA - die FemTech-Allianz”, das mithilfe technologischer Innovationen den Gender-Data-Gap schneller schließen soll. Hier bringen wir innovative Unternehmen zusammen und entwickeln gemeinsame Projekte, die alle darauf zielen, die Frauengesundheit zu fördern und bisherige Wissensnachteile auszugleichen. Das Berliner Institut für Innovationsforschung lässt hier gesellschaftlich wichtige Innovationen entstehen. Ich ermutige alle interessierten Unternehmer:innen, Mitglied in unserer Allianz zu werden und dabei mitzuhelfen – auch zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Vorteil (http://www.gaia-femtech.com/).

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Wenn mein Team meine Motivation aufnimmt und selbst authentisch lebt, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und etwas verfolge, das sich zu verfolgen lohnt. Ich multipliziere meine Vision mit klugen, inspirierenden Köpfen, die sich von meiner Art der Arbeit intrinsisch motiviert fühlen. Die besondere Wertschätzung erfahre ich also durch sich mir anschließende Menschen. Zusätzlich wurde ich vor Kurzem als „Berliner Unternehmerin des Jahres 2022/23” ausgezeichnet. Diese externe Auszeichnung des Berliner Senates, der Investitionsbank Berlin und der IHK Berlin ehrt mich ebenfalls sehr.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?

Ich habe drei Tipps, die ich denen, die noch am Anfang stehen, gern mitgeben möchte:

  1. Zeige Demut gegenüber dem, was Du noch nicht weißt. Nimm immer neue Impulse auf und verschließe dich nicht, aus deiner Umgebung zu lernen. In jeder Begegnung steckt eine Chance für neue Erkenntnisse und alle Lernerfahrungen bilden deine Intuition.
  2. Verlasse dich nicht darauf, dass andere etwas für Dich lösen. Du musst selbst die Welt verändern, sonst wird nichts geschehen. Handle proaktiv, ohne Ausreden. Das gibt dir auch ein Gefühl von Kontrolle, Macht und Wirksamkeit.
  3. Gestalte Deine berufliche Tätigkeit so, dass Du persönlich an ihr wachsen und leidenschaftlich dabei bleiben kannst. So bietet Dir die Arbeit Erfüllung und Freude. Hier siegt die Selbstständigkeit über ein Anstellungsverhältnis, in der Du Deinen Job meist freier formen kannst.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?

Selbstverständlich ist für mich gleiches Gehalt bei gleicher Qualifikation für alle Geschlechter. Wenn ein größeres Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Kolleg:innen entsteht, verfolge ich eine Geschlechterquote von 50:50. Außerdem klären wir über geschlechtsspezifische Ungleichbehandlung auf und unterbinden diese im Keim – auch gegenüber externen Parteien. Ich stelle mich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen mit Kindern und zu pflegenden Angehörigen ein, daher gehören Kinder in unserem Büro ins normale Bild.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen ...

… die Entlastung von Alleinerziehenden. Gerade sehen wir den Trend, dass diese in ihren Bedingungen weiter abgehängt werden, obwohl sie es bereits am härtesten haben. Hier wünsche ich mir eine flexiblere Kinderbetreuung, um Chancengleichheit herzustellen.

Die Politik kann bestimmte Wege attraktiver machen. Da Frauen in unserer Kultur risikoaverser erzogen werden, sind sie zögerlicher bei Gründungen oder Geschäftsübernahmen. Hier können politische Anreize gesetzt werden, den Weg für Zögerliche attraktiver zu machen. Berlin ist hier mit dem GründerinnenBONUS vormarschiert und gibt weiblichen Gründern eine höhere Startförderung in die Hand, um die Quote weiblicher Gründungen zu erhöhen. Im Förderprogramm TransferBONUS helfen wir sogar selbst mit, Innovationen von Frauen am Markt erfolgreich zu etablieren. Frauen sind keine Randgruppe, sondern die Hälfte der Bevölkerung! Weiblich geführte Unternehmen generieren laut Studien mehr Umsatz. Hier steckt doch ein großes Potential für Deutschland – es muss eine Kultur gefördert werden, in der die häufig auftretenden weiblichen Bedenken überwunden werden.

Was macht Sie zu einer guten Chefin?

Ich bekomme das Feedback, dass ich als Chefin besonders wertschätzend bin und eine hohe Motivation bei meinen Teammitgliedern auslösen kann. Dies tue ich durch Einbindung und Transparenz. Ich achte auf die Wertstiftung der Aufgaben und zeige auf, wie ihre Erfüllung in unsere Vision passt. Ich behandle mein Team auf Augenhöhe, egal, welcher Kompetenzgrad mir gegenüber sitzt. Ich traue ihnen etwas zu. Ich möchte, dass sich jede:r im Team einbringt und wir zusammen aus einem Pool an klugen Ideen schöpfen können. Ich glaube, dass ich vor allem über fachlichen Respekt führe, nicht Hierarchie.

Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?

Meine drei Kinder sind die Freizeitbeschäftigung im Hinblick auf meine berufliche Tätigkeit und mein Job ist der Ausgleich von meiner Mutterrolle. Das ist eine ideale Ergänzung, denn die Anforderungen sind häufig die gleichen – z. B. Organisationstalent, Einfühlungsvermögen, genau hinsehen, schnell entscheiden –, aber die Bedingungen doch von Grund auf unterschiedlich, was die Selbstbestimmtheit, den kognitiven Aufwand oder den Hedonismusgrad betrifft. So bin ich leistungsstark, weil beide Welten sich gegenseitig entlasten.

Am meisten begeistert mich an meinem Beruf…

…, dass ich Unternehmen direkt helfen kann, ihre Innovationen am Markt erfolgreich zu etablieren. Nicht weniger ist der Sinn unserer Arbeit! Wir sehen innovative KMU, die uns beauftragen, in unterschiedlichen Team-Konstellationen und -Strategien, die verschiedene Vor- und Nachteile bergen. Wir lernen durch unsere Forschung unterschiedliche Zielgruppen und ihre Einstellungen kennen. Wir sehen verschiedenste Geschäftsmodelle, versorgen sie mit belastbaren Erkenntnissen, sodass bessere Entscheidungen möglich werden. Dadurch haben wir in den letzten 14 Jahren viel gelernt, was wir heute in strategische Empfehlungen für innovative KMU einfließen lassen. Ich behaupte: an uns geht kein Deutschland-Trend vorbei.

Was haben Sie von Ihrem Team gelernt?

Meine Teammitglieder sind nach zwei Kriterien ausgewählt: Können sie sich kluge Gedanken machen? Und: Haben sie Bock, etwas zu verändern? Ich möchte, dass sie sich mit allem, was sie ausmacht, in ihre Projekte einbringen, denn nur dann empfindet man eine vollumfängliche Sinnstiftung in seinem Job. Dafür wird jede Idee als wertvoll angenommen. Ich lerne also jeden Tag sehr viel von meinem Team, weil wir uns gegenseitig zu Rate ziehen. Auch unsere Projekte sind „Team-Produkte”, weil mehrere kluge Köpfe ein Resultat einfach noch besser machen. Ich bin sehr glücklich, wenn ich erkenne, welche Superkräfte wir im Team zusammengestellt haben.

Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?

Auch hier gilt: Schlau skizzierte Gemeinschaftsprodukte werden besser als Einzelwerke. Wir pflegen vertrauensvolle Beziehungen mit anderen Unternehmen, die zu Effzienz und Verlässlichkeit führen. So treffen wir seit Jahren viele geistreiche, kompetente Unternehmen. Wenn wir hier zwei dieser Vorreiter mit ihren Spezialkompetenzen zusammenbringen, entstehen neue Innovationen, z. B. über Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Kooperation. Mit dem aktiven Management eines Netzwerkes kann der maximale Mehrwert herausgeholt werden. Deshalb betreuen wir mittlerweile auch federführend Innovationsnetzwerke, denn deren Struktur unterstützt genau diesen Netzwerk-Synergie-Gedanken. Auch hier rufen wir Sie dazu auf, mutig zu sein und neue Netzwerkideen an uns heranzutragen. Wir kümmern uns darum, dass diese real werden.

Infos zur Person

Dr. Anke Skopec

  • Jahrgang: 1984
  • Berufsabschluss: Dr. rer. pol. M. Sc. Psych. B. Sc. Psych. & Oec.
  • Position: Geschäftsführung des BIFI – Berliner Institut für Innovationsforschung GmbH
  • Selbstständig/Führungskraft seit: 09/2010
  • Zum LinkedIn-Profil: https://de.linkedin.com/in/dr-anke-skopec

Infos zum Unternehmen

BIFI – Berliner Institut für Innovationsforschung GmbH
https://www.bifi-institute.com/

  • Gründungsjahr: 2010
  • Branche: Psychologische Innovationsforschung und -beratung
  • Firmensitz: Rahnsdorf, Berlin
  • Mitarbeitende: 12

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