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Diskussion um Nadelöre
Beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft steckte Minister Jörg Vogelsänger Leitlinien ab
Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, Jörg Vogelsänger, war zu Gast beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) in Eisenhüttenstadt. Unter dem Motto „Infrastruktur im Oderland - wie geht es weiter“ sprach Vogelsänger über bereits umgesetzte oder geplante Maßnahmen zur Sanierung und zum Neubau im Bereich von Straßen, Schienenwegen und Wasserstraßen. Mit mehr als 50 Interessierten - darunter die Bürgermeisterin von Eisenhütttenstadt, Dagmar Püschel, und der Beigeordnete beim Landratsamt Oder-Spree, Dr. Eckhard Fehse - war das Bollwerk 4 im Deutschen Haus überfüllt.
Vor allem für Eisenhütttenstadt ist das Thema von vitalem Interesse. Bisher muss der Standort mit einer Autobahnanbindung von 30 Minuten leben - erst die Hälfte der Zeit könnte die Stadt attraktiver für Investoren machen. Doch um das zu erreichen - und um die Einwohner vom anwachsenden LKW-Verkehr zu entlasten - wird dringend eine Ortsumfahrung bei Brieskow-Finkenheerd benötigt, für die sich auch Püschel und Fehse vehement einsetzten.
„Wir sind auch hier, um den Minister bei seinen politischen Forderungen gegenüber der Bundesregierung zu unterstützen und um Druck zu machen, dass die Umfahrung gebaut wird“, erklärte Dr. Kapell. Bislang stellt der Bund dem Land Brandenburg für Neubaumaßnahmen beim Bundesfernstraßenbau jährlich 40 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Tropfen auf den heißen Stein - allein die geplante Umfahrung kostet 30 Millionen Euro - aber wenigstens bei diesen Zuwendungen müssse es bleiben, so Vogelsänger. Über die Bedeutung dieses Vorhabens ist er sich mit den Teilnehmern der Runde einig: „Die Papierfabrik und andere Investitionen werden hoffentlich Motoren für die weitere Entwicklung“, so der Minister. Darauf stellen auch die Pläne zur Entwicklung des Binnenhafens in Eisenhüttenstadt ab.
Ebenso wichtig wie der Straßenbau, seien allerdings auch schnelle Datenverbindungen, betonte Dr. Kapell. Gefördert werden können sie vom Infrastruktur-Ministerium jedoch nur im ländlichen Raum, wie Vogelsänger erklärte.
Auch zum Schienenverkehr gibt es zahlreiche offene Fragen. Je mehr Haltepunkte Berlin für die Regionalzüge einrichten will, um so mehr Zeit, die beim Streckenausbau und der damit verbundenen Beschleuhnigung gewonnen wurde, geht wieder verloren. Trotzdem lobte Vogelsänger bei allen Interessenunterschieden die gute Zusammenarbeit mit dem Land Berlin. Zu einer möglichen, vom BVMW immer wieder angemahnten Länderfusion allerdings wollte sich der Minister an diesem Tag nicht äußern.
Zukunftsunternehmen auf Erfolgskurs
Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf als „Solarstadt“ erworben. Nicht nur, weil die Sonne an der Oder vergleichsweise viele Stunden im Jahr scheint, sondern weil sich eine Reihe von Unternehmen hier entwickeln, die sich mit Solartechnologie und Photovoltaik befassen. Eine Erfolgsgeschichte – allerdings mit scharfen Kurven, wie die Wirtschaftssenatoren des BVMW-Landesverbandes Berlin-Brandenburg bei ihrem Besuch in der Conergy SolarModule erfuhren. Denn unmittelbar nach der Übernahme des ursprünglich als Chipfabrik errichteten Komplexes an der BAB 12, für dessen Umbau zur Solarfabrik 250 Millionen Euro investiert wurden, wurde weltweit der Grundstoff Silizium nicht nur teuer, sondern auch knapp. Die nagelneuen Anlagen konnten nicht vollständig hochgefahren, geschweige denn ausgelastet werden. „Nach einer Phase des explosionsartigen Wachstums steckten wir in tiefroten Zahlen“, erinnert sich der kaufmännische Geschäftsführer von Conergy, Michael Erler. Inzwischen arbeiten sämtliche Fertigungslinien an der Grenze ihrer Kapazitäten.
Als problematisch sieht Erler allerdings die politisch gewollte, rasante Absenkung der Einspeisevergütung um 16 Prozent durch den Staat an. „Was das für den deutschen Markt bedeutet, auf dem wir 40 Prozent unseres Umsatzes realisieren, können wir noch nicht genau prognostizieren.“ Um so deutlicher Erlers Dank an den Bundesverband mittelständische Wirtschaft für die Unterstützung der Branche.
BVMW-Landesgeschäftsführer Dr. Dieter Kapell gratulierte dem Unternehmen zu seiner erfolgreichen Entwicklung und hieß die beiden Geschäftsführer Michael Erler und Mathias Kamholz als neue Mitglieder im Landeswirtschaftssenat des BVMW herzlich willkommen.
Besuch im Kraftwerk Klingenberg
Hat Energie aus heimischer Braunkohle eine Zukunft? Dieser Frage gingen Wirtschaftssenatoren des BVMW bei einem Besuch des Heizkraftwerkes Klingenberg in Berlin nach. Bei der Errichtung in den 20er Jahren war es das modernste und größte Kraftwerk Europas, projektiert vom Geheimen Baurat Professor Georg Klingenberg. Nach Krieg und Demontage blieb eine Leistung von 90 Megawatt übrig. In den 70er Jahren lieferte das Werk 182 Megawattstunden thermisch für die Fernwärmeversorgung. Dann folgte über mehr als ein Jahrzehnt die komplette Rekonstruktion. „Hinter unseren historischen Fassaden befinden sich moderne Anlagen“, betont Harald Flügel, der die Gäste durch sein Werk führte. Mit Dampferzeugern, die Öl, Gas und Kohle als Brennstoff nutzen, gehört Klingenberg zum Herz der hauptstädtischen Wärmeversorgung. Eine halbe Million Wohnungen sind an das 700 Kilometer umspannende Netz angeschlossen. Noch immer ist es vor allem Lausitzer Braunkohle, die hier genutzt wird. Wenn die Kohle nicht ausreicht, werden auch Mischbrennstoffe verbrannt. Heizöl lagert in Reservetanks. „So sind wir unabhängig von einem einzigen Brennstoff.“ 590 Megawatt thermisch und 188 Megawatt Strom kann das Werk produzieren. Die Wärmeerzeugung bestimmt auch, wie viel Strom ins Netz eingespeist wird. Stadtumbau und energetische Sanierung in Berlin haben den Wärmeverbrauch von 6.000 Gigawattstunden 1989 auf 2.650 Gigawattstunden 2010 gedrosselt. Klingenberg ist eingebunden in das Vorhaben von Vattenfall, seine absolute CO2-Emission bis 2020 zu halbieren. Mit dem Land Berlin wurde ein Energiekonzept vereinbart, das den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung vorsieht und einen Ersatz verschlissener Anlagen durch solche mit höherem Wirkungsgrad regelt.
Eine spannende Ergänzung zur Kraftwerksbesichtigung bot der Vortrag von Dr. Thomas Klähne „Kraftwerksbauten aus der Sicht des Bauingenieurs“. Dabei ging es nicht nur um die Geheimnisse beim Abbinden von Beton und bei der Gestaltung der Statik von, sondern beispielsweise auch darum, wie Bauwerke zum Schutz vor Naturkatastrophen und Unfällen konditioniert werden können.
Führen Frauen besser?
Die Regionalgeschäftsstelle Brandenburg West lud mittelständische Unternehmen zu einem Unternehmertreffen in die von Christine Berger geführte „Welt des Sanddorns“ nach Petzow ein. Die Frontfrau der „Christine Berger GmbH & Co KG“ stellte dort vor 70 Gästen unter Beweis, dass sie über jene Qualitäten verfügt, mit denen Frau ein Unternehmen erfolgreich führen kann. Dafür wurde sie 2007 als Unternehmerin des Jahres geehrt.
Professorin Rita Süssmuth sprach darüber, wie Frauen in Führung gehen. „Zu lange haben wir gestritten, wo Frau hingehört und wo ihr Platz in der Gesellschaft ist“, sagte Rita Süssmuth. Es sei falsch, Frauen auf weibliche Tugenden oder dienende Fähigkeiten zu reduzieren. Frauen seien heute hervorragend qualifiziert, verfügten über viele Kompetenzen und stünden in Bezug auf Bildung hinter den Männern nicht zurück.
Der Wirtschaftspsychologe Dr. Gerd Reimann beschäftigte sich mit der Frage, ob Frauen wirklich anders führen. Kreisgeschäftsführerin Renate Fonfara berichtete, dass Frauen nicht nur über Disziplin und einen starken Willen, sondern auch über Kampfgeist und ein großes Verantwortungsgefühl verfügen. Regionalgeschäftsführer Rainer Raddatz beschäftigte sich mit Gestaltungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken einer gemeinsamen Firmenführung in Familienunternehmen. Rechts- und Fachanwältin Rain Claas machte deutlich, wie sie selbst den Spagat zwischen Beruf und Familie bewältigte. Abschließend meinte Rita Süssmuth: „Was diskutieren wir eigentlich? Wer ist der bessere Frau? Wer ist der bessere Mann? Es geht nur gemeinsam! Entscheidende und gestaltende Politik und entscheidende und gestaltende Menschen, das brauchen wir!“ b.wi.
Laserschau nach Art des Hauses
Traditionsunternehmen investiert in neue Technologien
Der Legende nach berechnete der Firmengründer des heutigen Büromöbelherstellers die Pflanzorte der Bäume auf seinem Grundstück von einem Fenster des Fabrikgebäudes aus mit dem Sextanten. REISS – das stand von Anbeginn für Genauigkeit und Neuerertum. „Weisheiten werden zu REISSheiten“, umschreibt Geschäftsführer Dietmar Menzel diese Philosophie. Der Erfolg gibt der Firma Recht: Im vergangenen Jahr wurde das beste Geschäftsergebnis in der Betriebsgeschichte eingefahren. Möglich ist dies, weil Innovationswillen mit Investitionsbereitschaft einhergeht. So konnte Eckhard Höse, Kreisgeschäftsführer des BVMW, den Geschäftsführern Dietmar Menzel und Hans-Georg Wiegand jüngst zur Einweihung eines TruLaser Tube 5000 der Firma Trumpf gratulieren. Die 700.000 Euro sind gut angelegt. Lasertechnik ist nicht nur ihrer Genauigkeit wegen auf dem Vormarsch. Die neue Anlage gestattet es, Rohre in Sekundenschnelle dreidimensional zu bearbeiten. Dadurch verkürzen sich nicht nur Produktionszyklen. Spezielle Konstruktionen des Biegens und ineinander Verankerns sparen aufwendige Schweißprozesse ein. Die beim Bohren und Fräsen entstehenden Abfälle entfallen ebenso, wie das nachträgliche Entgraten der Bearbeitungsflächen. Aber auch die Umwelt wird entlastet: Bohrwasser und Fette müssen nicht mehr aufgebracht und entfernt, die Rückstände nicht mehr geklärt werden. Deshalb nannten die Gastgeber ihre Einweihung eine Lasershow, und weil die Praxis vom Beispiel lebt, hatte Dietmar Menzel auch gleich den Lubwartturm, das Wahrzeichen der Stadt, in der Hand. Hergestellt aus Edelstahl mit der neuen Technik, verziert mit dem R – wie REISS – und als Stifte-Becher auf den Schreibtisch zu stellen. Die Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus dieser Fortschrittsinvestition ergeben, bietet REISS auch anderen Firmen in der Region an.
Renommierter Preis für BVMW-Unternehmen wbpr
Die Brandenburger Verkehrssicherheitskampagne „Lieber sicher. Lieber leben.“ des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL), gemeinsamer Kunde von wbpr Potsdam und Berlin, wurde im Rahmen einer feierlichen Gala
mit einem der renommiertesten deutschen PR-Preise ausgezeichnet. Im Finale der PR Report Awards 2010 setzte sich wbpr gegen namhafte Konkurrenz durch. Ausgezeichnet wurde die Kampagne in der Kategorie „Langfristige PR-Strategie“. Die 25-köpfige Jury bewertete in insgesamt 22 Kategorien die besten Kampagnen, Projekte und Strategien sowie die erfolgreichsten Personen und Teams der PR-Wirtschaft. Als Reaktion auf die hohen Unfallzahlen auf Brandenburgs Straßen wurde 1997 die Verkehrssicherheitskampagne „Lieber sicher. Lieber leben.“ ins Leben gerufen und wird seitdem von Michael Schröder, Geschäftsführender Gesellschafter wbpr Berlin begleitet. Sie ist die am längsten durchgeführte Verkehrssicherheitskampagne in Deutschland.
wbpr ist Mitglied im BVMW und unterstützt den Landesverbund Nordost bei der Herausgabe des BVMW Kuriers. Claudia Behm
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